Zeitung Heute : Kampf um die Liebigstraße

Nächtliche Ausschreitungen nach Räumung durch die Polizei

Polizisten führen am Frankfurter Tor einen Demonstranten ab. Foto: Lukas Kreibig / AFP
Polizisten führen am Frankfurter Tor einen Demonstranten ab. Foto: Lukas Kreibig / AFPFoto: AFP

Berlin - Nach der Räumung des besetzten Hauses an der Liebigstraße 14 in Friedrichshain ist es am Mittwoch zu nächtlichen Ausschreitungen gekommen. Bis zu 2000 Menschen, darunter viele gewaltbereite Autonome, waren einem Aufruf zu abendlichen Protesten gegen die Polizeiaktion gefolgt. Die Polizei riegelte das am frühen Vormittag geräumte Gebäude weiträumig ab, ließ aber einen Demonstrationsmarsch im angrenzenden Stadtviertel zu. Dabei flogen Böller und Steine, Beamte und Vermummte gerieten bis spät nachts aneinander. Zahlreiche Polizisten wurden verletzt, Scheiben gingen zu Bruch, es gab etliche Festnahmen. Genaue Zahlen gab es bis Redaktionsschluss noch nicht.

Vom frühen Morgen bis Mitternacht waren in Friedrichshain rund 2500 Polizisten im Einsatz. Ab 8 Uhr begann die Räumungsaktion. Der Einsatz dauerte fünf Stunden, da die Bewohner den Altbau stark verbarrikadiert hatten. Die Beamten mussten über das Dach vordringen, da das Treppenhaus mit unüberwindlichen Falltüren aus Stahl blockiert war. In einer Wohnung des Hauses hatten sich neun Bewohner verschanzt, die Polizei musste eine Ziegelwand einreißen, um zu ihnen vorzudringen. Zur gleichen Zeit wurden Polizisten am Frankfurter Tor aus einer großen Menge vermummter Demonstranten massiv mit Steinen beworfen. Dabei wurden 23 Randalierer festgenommen. Mehrere Beamte wurden verletzt, einer durch ein Knalltrauma schwer.

Innenpolitiker aller Parteien lobten den besonnenen Einsatz der Polizei bei der Räumung. Allerdings löste die Aktion auch politischen Streit aus. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kritisierte die „verständnisvollen Äußerungen“ grüner und linker Politiker zu den Besetzern. Er habe kein Verständnis dafür, dass beispielsweise Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) die Räumung bedauere und dem Senat eine Schuld zuweise.

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