Zeitung Heute : Kampf um Klasse

Der Tagesspiegel

Ein Jahr Dienstleistungsgewerkschaft Ein Jahr Verdi, 50 Jahre Frank Bsirske – es ist ein Zufall, dass die Geburtstage zusammenfallen, aber doch auch irgendwie passend. Denn Bsirske bemüht sich wirklich nach Kräften, dieses neue, riesige Gewerkschaftsgebilde zu formen. Und er hat die Sympathien auf seiner Seite: Einer, der zur Abwechslung mal kein SPD-Parteibuch hat, sondern der erste Grüne an der Spitze einer Arbeitnehmerorganisation ist. Kein Gewerkschaftsführer des alten Typs, nicht klassenkämpferisch, nicht hemdsärmelig, sondern alert, gut geschult, verbindlich. Der passende Chef für Dienstleister also. Das sichert ihm, der noch dazu aus Hannover kommt, auch die Aufmerksamkeit eines anderen Hannoveraners. So weit, so gut. Aber die Probleme lösen sich damit längst nicht. 80 000 Mitglieder hat Verdi im ersten Jahr verloren, und jetzt droht die Gewerkschaft außerdem, ihren Einfluss bei der Neuordnung an der Spitze der Bundesanstalt für Arbeit einzubüßen. Das macht sich nicht gut im Selbstbild einer Organisation, die nebenbei noch Lobby für Arbeitslose sein will. Die Sozialkonservativen machen auch schon Druck. Sie scheinen Wirkung zu erzielen: Bsirske stemmt sich gegen die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, darüber hinaus sucht er den Schulterschluss mit Klaus Zwickel bei den kräftigen Tarifforderungen. Da kann er nur verlieren, vor allem sein Modernisierer-Image. Wir wünschen ihm und uns, dass in dem Grünen doch nicht bloß ein Roter steckt. cas

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