Zeitung Heute : Kampf um Nachwuchskräfte in Karlshorst

Martin U. Müller

Stefan Leinessers Kampfansage ist so klar wie einfach: „240 Firmen hier auf der Messe wollen genau die Leute, die ich auch suche.“ Der Personalchef des Online-Netzwerkes „studiVZ“ hofft darauf, bei der „Connecticum“ in Berlin-Karlshorst talentierten Nachwuchs für sein Unternehmen zu finden.

Der Ort für die Jagd nach Studienabsolventen ist gut gewählt: 16 000 Hochschulabsolventen – vorwiegend aus Berlin und den neuen Bundesländern – tummeln sich hier auf der Kontaktmesse, um ihren zukünftigen Arbeitgeber zu finden. Damit ist die „Connecticum“ die größte Messe ihrer Art in Berlin. In der vergangenen Woche fand sie zum fünften Mal auf dem Gelände der Fachhochschule für Teschnik und Wirtschaft statt.

Gesucht werden hier vor allem Nachwuchskräfte aus dem IT-Bereich sowie der Betriebswirtschaft. Während in früheren Jahren noch die Bewerber um die Gunst der Unternehmen buhlen mussten, scheint es in diesem Jahr anders herum zu sein: Die Firmen umwerben die Studenten. Etwa fünzig Prozent mehr Unternehmen als im Vorjahr sind in diesem Jahr bei der „Conneticum“ dabei. „Das führen wir vor allem auf den großen Einstellungsbedarf vieler Firmen durch den Erfolg des Web 2.0 zurück“, erklärt Messegeschäftsführer Oliver Nitsch.

Nur jede dritte Firma der 240 Aussteller kommt aus Berlin oder dem näheren Umland. Inzwischen suchen viele Unternehmen aus ganz Deutschland gezielt in Berlin nach Mitarbeitern: „Die Situation hier ist bedeutend besser als beispielsweise in Hamburg“, erklärt Uwe Grombach von der Personalberatungsfirma Personnel. Eine große Anzahl an Hochschulabsolventen steht einer relativ geringen Zahl von offenen Stellen gegenüber – eine Situation, die Firmen aus ganz Deutschland gerne sehen und die Chance nutzen, die Studenten in andere Städte abzuwerben.

Auch beim Unterwäschehersteller Triumph ist man zufrieden: „Die Bewerber hier sind die besten ihrer Branche“, erklärt Vera Abzieher, studentische Mitarbeiterin in der Münchner Personalabteilung des Unternehmens. Vor allem würde man SAP-Softwarespezialisten suchen, sagt Abzieher. Gerade klärt sie Mark Hoppt über Karrierechancen bei ihrem Unternehmen auf. „Das ist heute schon ganz anders als zu Beginn meines Studium“, sagt Mark Hoppt. Er steht kurz vor seinem Examen und gehört dann zur heiß umkämpften Gruppe der Wirtschaftsingenieure. „Wir werden auf der Messe richtig umgarnt.“

Am Stand von „studiVZ“ herrscht gute Stimmung. Drei Bewerber passten so gut zum Profil des Unternehmens, dass Stefan Leinesser sie sofort zu einem Vorstellungsgespräch am nächsten Tag eingeladen hat. Und so haben nach Messeende nicht nur potentielle Mitarbeiter sondern auch die Unternehmen Glücksgefühle. Stefan Leinesser: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn der Bewerber dann bei uns und nicht bei den anderen unterschrieben hat.

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