Zeitung Heute : „Kampfhunde sind eigentlich gutmütig“

Tierpsychologin Elisabeth Krause über gefährliche Züchtungen

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Frau Krause, gibt es so etwas wie gefährliche Hunderassen?

Die aggressive Rasse gibt es nicht. Das Problem bei Kampfhunden ist, dass ihre Kiefer so enorme Kraft haben. Sie können sich festbeißen und halten dann fest bis zum Tod des Gegners. Dieses spezielle Beißverhalten ist bei den Kampfhunden angelegt. Aber wenn er gut erzogen ist, wird er gegenüber Menschen nicht aggressiv.

Dennoch sind die vom Verfassungsgericht hervorgehobenen Hunderassen, zum Beispiel Pitbull-Terrier, wohl kaum für Familien geeignet.

Im Gegenteil, sie sind gute Hausgenossen und haben ein ausgeglichenes Temperament. Vor allem sind sie unheimlich schmerzunempfindlich. Es klingt wie ein Widerspruch, aber dass macht sie zu sehr guten Familienhunden. Weil sie sich von Kindern auch mal anrempeln oder am Ohr ziehen lassen, ohne gleich zu schnappen. Zudem sind diese Hunde sehr bemüht um die Gunst ihres Halters, sie wollen immer alles richtig machen und gelobt werden. Sie sind unentwegte Begleiter und Kläffen auch nicht viel.

Wie wird aus einem so gutmütigen Begleiter ein gefährlicher Kampfhund?

Im Grunde können Sie aus jedem Hund einen Kampfhund oder einen aggressiven Hund machen. Wenn Sie das möchten – oder auch, wenn sie es falsch machen. Oft werden Kampfhunde in Schweineställen großgezogen und bekommen nie einen Menschen zu Gesicht, auch keine anderen Hunde, mit denen sie Gruppenverhalten lernen könnten. Die bereiten dann Probleme.

Welche Bedeutung hat die Hundezucht?

Wenn man ein besonders aggressives Muttertier mit aggressiven Rüden zusammenbringt, um damit weiter zu züchten, kann man mit jeder Rasse gefährliche Tiere züchten. Es gibt zum Beispiel bestimmte Hirtenhunde, denen abgezüchtet wurde, dass sie knurren, bevor sie beißen. Das macht Sinn, wenn sie eine Herde gegen Wölfe schützen sollen. Aber als Hunde für die Stadt sind sie nicht geeignet.

Welche Erziehungstipps können Tierpsychologen geben?

Er kann zum Beispiel über die Bedeutung der Rangordnung informieren: Der Hund muss eine klare Stellung in der Familie haben. Zum Beispiel wenn Sie mit dem Hund Gassi gehen, darf der Hund nicht zuerst das Haus verlassen. Die Nummer eins verlässt zuerst das Haus und betritt es auch zuerst. Hunde müssen nicht zu Zirkustieren dressiert sein, aber wenn ich sage Sitz oder Platz, muss er das machen. Wer mit der Erziehung überfordert ist, sollte möglichst früh einen Tierpsychologen aufsuchen.

Was sollte der Staat tun, um die Bürger besser vor gefährlichen Tieren zu schützen?

Er sollte regelmäßig kontrollieren, wie und auch warum jemand einen Kampfhund halten will. Kontrollen vor Ort sind sehr wichtig. Tiere, die erheblich von der biologischen Norm abweichen und gestörtes Verhalten zeigen, müssen von der Zucht ausgeschlossen werden. Wünschenswert wäre natürlich eine Eignungsprüfung für die künftigen Hundehalter, schon bevor sie ein Tier erhalten.

Was halten Sie von der Idee eines obligatorischen Hundeführerscheins für die Halter?

Das würde ich mir wünschen. Ich wäre gerne bereit, 200 bis 300 Euro Hundesteuer im Jahr zu zahlen, wenn dafür die Gemeinden für die Neulinge eine für alle verpflichtende Hundeschule organisieren. Manchmal reichen schon ein paar Erziehungshinweise aus, um Problemen vorzubeugen.

Elisabeth Krause ist Tierpsychologin und Vorsitzende des Verbandes der Haustierpsychologen. Das Gespräch führte Alexander Visser

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