Zeitung Heute : Kanthölzer und Trockengeräte

Die Spenden für die Hochwasser-Opfer fließen auch online. Wofür, das wird noch zu selten erklärt

NAME

Von Kurt Sagatz

An prominenterer Stelle kann kaum für Spenden geworben werden. Seit gut einer Woche folgt am Ende der Tagesschau-Berichterstattung zur Hochwasserkatastrophe der Hinweis, auf welche Weise die Zuschauer die Flutopfer finanziell unterstützen können. Die Liste der Spendenkonten, die unter der Internet-Adresse www.tagesschau.de geführt wird, wird seither immer länger: Deutsches Rotes Kreuz, Caritas, Diakonisches Werk, Die Johanniter, Arbeiter Wohlfahrt, Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser-Hilfsdienst und DLRG werden derzeit unter dem Aufruf von Bundeskanzler Gerhard Schröder und den Verantwortlichen der Sender ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1 aufgelistet. Doch welche Kontonummer und welche Institution nun der richtige Adressat ist, kann die Internet-Seite nicht erläutern.

Spenden drücken das Mitgefühl für das Leid anderer Menschen aus. Doch wer spendet, möchte auch wissen, wem er sein Geld treuhänderisch anvertraut und was mit diesen Mitteln eigentlich geschehen soll. Jede Information hierüber schafft zusätzliches Vertrauen und erhöht die Spendenbereitschaft. Und über das Internet ist es ein Leichtes, hierüber weitaus ausführlicher als nur mit der Angabe der Kontoverbindung und des Spenden-Stichwortes zu informieren.

Tatsächlich halten so gut wie alle karitativen Einrichtungen in ihren Internet-Präsenzen die Möglichkeiten für Online-Spenden bereit. Das Spendenformular der Johanniter lässt nur Lastschriften zu, man kann jedoch auswählen, für welches Projekt – in diesem Fall „Hochwasser“ – gespendet werden soll. Beim Deutschen Roten Kreuz muss dafür das Kästchen „Nachbarn in Not/Flut 2002“ angeklickt werden. Spenden über das DRK sind überdies nicht nur per Lastschrift, sondern auch noch über die gängigen Kreditkarten Visa, American Express, Diners Club und Eurocard möglich. Um die nötige Sicherheit bei der Übertragung der sensiblen Informationen über das Internet zu gewährleisten, befindet sich das Formular beim DRK auf einer sicheren Seite, bei der die Interaktionen verschlüsselt werden. Diese Seiten sind durch den Adresszusatz „https“ sowie ein kleines Schlosssymbol am unteren Rand des Browser-Programms zu erkennen.

Wer bereits weiß, über welche Institution er helfen möchte, hat es somit einfach. Allerdings erleichtern die verschiedenen Einrichtungen es den Spendenwilligen nicht gerade, ihre Entscheidung zu treffen. Die Johanniter erklären in ihrem Spendenaufruf immerhin, dass sie die Spenden unter anderem für die Feldküchen benötigen, die für die 12 000 Helfer die Lunchpakete und warmen Mahlzeiten bereiten. Erheblich weiter gefasst ist das Projekt, das Caritas International auf der Homepage aufführt. Die Institution kümmert sich über die deutschen Grenzen hinweg um die Hochwasseropfer in anderen Teilen Europas. Zu den Anstrengungen in Deutschland schreibt Caritas auf der Internet-Seite, dass bereits ein Soforthilfefonds von 50 000 Euro aufgelegt wurde. Das Geld soll zum einen besonders bedürftigen Familien und allein stehenden älteren Menschen in den Diözesen Regensburg, Passau und Dresden zugute kommen. Zudem sollen 50 Trockengeräte für die Instandsetzung der voll gelaufenen Häuser und Wohnungen angeschafft werden.

In dieser Ausführlichkeit sind das allerdings die Ausnahmen. Die meisten übrigen Einrichtungen gehen offenbar davon aus, dass die Menschen über die ausführliche Berichterstattung in den Medien ausreichend informiert sind. So führt der Flut-Logo auf der DRK-Seite direkt zum Online-Spenden-Formular. Weiterführende Informationen sucht man vergebens. Gleiches gilt für den Malteser-Hilfsdienst oder den Arbeiter-Samariter-Bund.

Wer helfen möchte, findet im Netz auch abseits der institutionalisierten Spendenaufrufe genügend Hinweise. Beispielsweise auf der Internet-Seite von Grimma. „Alle Bürger, die Hilfe zur Sicherung der Häuser benötigen, erhalten Kanthölzer und Stützen auf dem Marktplatz“, heißt es auf der zum schwarzen Brett umfunktionierten Homepage. Zudem warnt die Stadt im Muldetal online vor dem Verzehr von überflutetem Obst und Gemüse, stellt Formulare für Hilfszahlungen zum Herunterladen bereit oder informiert über den Anwalts-Notdienst. Auch zu Spenden wird überall dort aufgerufen, wo die Flut bereits gewütet hat. Dippoldiswalde, ( www.dippoldiswalde.de ), einer der am frühesten überfluteten Orte, bedankt sich für Spenden ab 9,50 Euro mit einer CD, die im September fertig sein soll und die Jahrhundertflut dokumentieren wird.

Weitere Informationen online:

www.tagesschau.de , www.mdr.de

www.drk.de , www.malteser.de

www.caritas-international.de

www.diakonie-katastrophenhilfe.de

www.johanniter.de , www.asb.de ,

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar