Kapital für gute Ideen : Mehr Wege zum Geld

Es gibt viele Möglichkeiten für junge Firmen, den Start zu finanzieren.

Gefragt: Start-ups brauchen Geld. Aber nicht für jedes kommt Venture Capital infrage. Für den gelungenen Start reicht manchmal auch ein Mikrokredit.
Gefragt: Start-ups brauchen Geld. Aber nicht für jedes kommt Venture Capital infrage. Für den gelungenen Start reicht manchmal...Foto: dapd

Körpermaße anhand einer Webcam genau vermessen, um so die passenden Klamotten zu finden, ohne sie anprobieren zu müssen: Das ist die Geschäftsidee von Upcload. 2010 gründeten Sebastian Schulze und Asaf Moses das Unternehmen, im Frühjahr 2012 ist der Dienst online gegangen. Das Berliner Start-up hat 15 Mitarbeiter und eine Finanzierungsgeschichte, an der sich gut ablesen lässt, wo junge Unternehmen abseits von Venture Capital (VC) oder Bankkrediten Geld bekommen können. Denn laut einer aktuellen Mittelstandsstudie haben mehr als ein Drittel der Start-ups in Berlin eine Eigenkapitalquote von weniger als zehn Prozent, ein weiteres Fünftel hat bis zu 20 Prozent Eigenkapitalquote. Damit kommen die meisten Start-ups für den klassischen Bankkredit nicht infrage.

WETTBEWERBE
„Wir stehen im Prinzip auf drei Säulen“, sagt Steffen Poralla von Upcload. Zunächst hat das Unternehmen über verschiedene Wettbewerbe zwischen 60000 und 70000 Euro Preisgeld eingenommen. Davon gibt es in der Region einige, beispielsweise den Businessplanwettbewerb Berlin Brandenburg (www.b-p-w.de), der mit der Gründermesse Degut am 26. Oktober in die nächste Auflage geht. Die FU Berlin bietet den Funpreneur-Wettbewerb für Studierende aller Berliner Hochschulen an, die Unternehmertum ausprobieren möchten. Die drei besten Teams gewinnen Preisgelder von insgesamt 2500 Euro. Funpreneur hat einige erfolgreiche Unternehmen hervorgebracht, etwa den Online-Schokoladenverkäufer Chocri oder den Kaffeeanbieter Mykona. Die nächste Runde der Funpreneure beginnt am 23. Oktober. Wettbewerbe verschaffen jungen Unternehmen auch Aufmerksamkeit, durch die zusätzlich Kunden oder Investoren gewonnen werden können. Außerdem bieten sie andere Vorteile – beim Gründerpreis des Wohnungsunternehmens Degewo etwa bekommen die drei Gewinner ein Jahr lang einen Gewerberaum mietfrei. Der Anmeldeschluss für die aktuelle Runde der Ausschreibung ist am 15. Oktober.

FÖRDERPROGRAMME
„Wir haben an verschiedenen Förderprogrammen teilgenommen“, sagt Poralla von Upcload. Er zählt einige davon auf: etwa das Gründerstipendium Exist (www.exist.de), das technologieorientierte oder wissensbasierte Gründer unterstützt, das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand Zim, das die Zusammenarbeit von Mittelständlern und Forschungseinrichtungen fördert (www.zim-bmwi.de) und das Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien, kurz Pro Fit, das von der Investitionsbank Berlin (IBB) betreut wird. Da diese Programme mit öffentlichen Geldern finanziert werden, sind Auflagen und Dokumentationspflicht entsprechend streng. Das hat auch Vorteile: „Dieser Prozess hilft, das Projekt klarer zu strukturieren“, sagt Poralla. Die Förderfibel gibt einen Überblick über das Angebot (www.ibb.de).

BUSINESS ANGELS
Darüber hinaus hat das Start-up Geld von Privatinvestoren und Business Angels bekommen. Um an diese Investoren zu gelangen, sind gute Kontakte wichtig. Bei der Kontaktaufnahme kann zum Beispiel der Business Angels Club Berlin-Brandenburg (www.bacb.de) helfen, Informationen gibt es auch über das Deutsche Business Angels Netzwerk (www.business-angels.de). „Uns war wichtig, neben dem Geld auch operative Expertise und Know-how zu bekommen“, sagt Poralla. So etwas bieten Business Angels, aber auch Inkubatoren, die gegen eine Beteiligung an jungen Unternehmen den Gründern mit Beratung durch Experten helfen und Infrakstruktur wie Büroräume zur Verfügung stellen können.

CROWDFUNDING
Beim Crowdfunding beteiligen sich viele Investoren mit kleinen Beträgen an einem Unternehmen. Das Geld wird auf Online-Plattformen gesammelt. Auf diesem Weg wurden zunächst Kultur- und Sozialprojekte, etwa Filmvorhaben oder Medikamentenlieferungen, unterstützt. Mittlerweile wird diese Form des Geldeinsammelns auch von jungen Unternehmen genutzt. „Das ist ein sehr sympathischer Ansatz“, sagt Poralla, „aber als die Idee in Deutschland groß wurde, waren wir in unserer Entwicklung schon zu weit für dieses Modell.“ Unter anderen bieten die Plattformen www.seedmatch.de, www.companisto.de und www.innovestment.de Crowdinvesting an, ab diesem Herbst will auch www.bergfuerst.com in den Markt einsteigen.

MIKROKREDIT
Darüber hinaus lohnt sich der Gang zur Investitionsbank Berlin. Die Förderbank des Landes steht Start-ups beratend zur Seite. „Wir finden gemeinsam die passende Finanzierung“, sagt IBB-Sprecher Christian Hartwich. Das kann eine Bürgschaft sein, eine Kooperationsförderung oder auch ein Mikrokredit aus dem Kreditfonds für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU). Das sind Darlehen von bis zu 25000 Euro, die schnell und unbürokratisch vergeben werden, verspricht die IBB. Rund 40 Prozent der jungen Unternehmen in Berlin geben an, dass sie nur einen finanziellen Bedarf von bis zu 25000 Euro haben. Angebote über Privatkredite in dieser Höhe findet man zum Beispiel auch auf der Plattform www.smava.de.

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