Karl-Theodor zu Guttenberg : Kann man einen Doktortitel ruhen lassen?

Karl-Theodor zu Guttenberg will – vorläufig – kein Doktor mehr sein. Löst das sein Problem? Und kann man eine Doktorarbeit überhaupt nachbessern?

Abkupfern für den Doktortitel? Verteidigungsminister Guttenberg hat nach mehreren Bundeswehr-Affären ein Problem mehr: Er soll bei seiner Doktorarbeit Texte abgeschrieben haben, ohne das zu kennzeichnen.Alle Bilder anzeigen
Foto: dapd
21.02.2011 20:55Abkupfern für den Doktortitel? Verteidigungsminister Guttenberg hat nach mehreren Bundeswehr-Affären ein Problem mehr: Er soll bei...

Auch am Tag, als sich Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu den Plagiatsvorwürfen erklärt hat, blieben einige Fragen offen – und es stellten sich neue.

Sind weitere Plagiatsvorwürfe gegen den Minister aufgetaucht?

Die Internetseite http://de.guttenplag.wikia.com, deren breit gefächerte Community mögliche Plagiate in der Doktorarbeit des Verteidigungsministers aufdecken will, dokumentierte bis Freitagabend bereits mehr als 120 Seiten aus dem Werk. Überall dort soll Guttenberg Zitate anderer Autoren verwendet haben, ohne die Quelle anzugeben. Nach Erkenntnissen von „Spiegel-Online“ hat Guttenberg auch an einer zentralen Stelle seiner Arbeit abgekupfert – nämlich bei einer Art Zwischenfazit. Unter der Überschrift „Drei Folgerungen“ zu historischen Grundlagen einer europäischen Verfassung übernimmt Guttenberg auf den Seiten 192 und 193 nahezu komplett und mit nur kleinen Änderungen eine Passage des renommierten Historikers Hagen Schulze, der unter anderem ein Standardwerk zur deutschen Geschichte verfasst hat. Großzügig umgegangen ist der Minister offenbar auch mit studentischen Arbeiten, die im Netz verfügbar sind.

Was bedeutet es, einen Doktortitel „ruhen“ zu lassen?

Guttenberg hat am Freitag angekündigt, vorübergehend seinen Doktortitel nicht mehr zu führen. Dieses „Innehalten“ sei ein gängiges Verhalten, solange geprüft wird, ob ein Titel rechtmäßig erlangt wurde, sagt der Berliner Strafrechtler Ulrich Battis, Vorsitzender der Promotionskommission der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität. Für Guttenberg und sein Ministerium müsse das bedeuten, dass er den Doktortitel nun schlicht nicht mehr verwendet, ihn etwa aus seinen Briefköpfen und seiner Visitenkarte tilgt. Auf Guttenbergs persönlicher Homepage, wo der Doktortitel am Freitagvormittag noch zu lesen war, war er am Nachmittag dann schon verschwunden. Nicht ganz so schnell war das Bundesverteidigungsministerium: Dort waren Guttenbergs Lebenslauf und Fotos von ihm noch mit dem Titel geschmückt.

Könnte Guttenberg seine Doktorarbeit nachbessern?

Wenn die bisherigen Fußnoten nicht ausreichten, müsse es eine verbesserte zweite Auflage geben, hat der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Christian Schmidt, (CSU) erklärt. Hierüber muss der Verlag entscheiden, in dem die Promotionsschrift erschienen ist. Dieser, der Berliner Verlag Duncker & Humblot, teilte am Freitag zunächst nur mit, dass die elektronische Variante der Doktorarbeit aus dem Angebot genommen worden sei. Verleger Norbert Simon sagte, die gedruckte Auflage von rund 400 Exemplaren sei ausverkauft. Das Werk werde nicht mehr angeboten, weil Guttenberg seinen Doktortitel nicht mehr führen wolle, solange die Prüfung der Arbeit in Bayreuth andauere. Unabhängig davon, wie das Urteil der „Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ an der Uni Bayreuth ausfällt – Guttenberg könnte auch danach nicht einfach Änderungen an der Arbeit vornehmen. Denn Nachbesserungen wären nur während des Bewertungsverfahrens der 2007 abgegebenen Doktorarbeit möglich gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hätten einer oder beide Gutachter verfügen können, dass der Promovierende Korrekturen vornehmen muss: „Der Dekan kann die Dissertation dem Bewerber zur Verbesserung zurückgeben“, heißt es in der Bayreuther Promotionsordnung. Und: „Das Promotionsverfahren kann nicht wiederholt werden.“ Jurist Battis hält es für unwahrscheinlich, dass Guttenberg urheberrechtlich ein Plagiat, die vorsätzliche Aneignung fremden Wissens, nachzuweisen ist. „Doch damit wäre er nicht aus dem Schneider“, sagt Battis. Denn offenbar habe Guttenberg ja fremde Hilfe in Anspruch genommen, als er andere Autoren zitierte, ohne die Quellen anzugeben. Das könne ausreichen, ihm den Titel abzuerkennen.

Sieht die Uni Bayreuth ihren Ruf in Gefahr?

Universitätssprecher Frank Schmälzle will sich nicht zu dieser Frage äußern. „Wir konzentrieren uns auf die Sacharbeit.“ Auf der Homepage der Juristischen Fakultät, an der Guttenberg studierte und promovierte, läuft unterdessen ein Imagefilm weiter, in dem der Minister mit einigen stakkatohaften Sätzen für ein Studium in Bayreuth wirbt. Er sehe keinen Grund, den Film von der Homepage zu nehmen, sagt Thilo Brodtmann, als Vorsitzender des Ehemaligenvereins der Bayreuther Juristen und Wirtschaftswissenschaftler Initiator des Imagefilms. „Herr zu Guttenberg ist ein Aushängeschild für uns – und das wird er auch bleiben“, sagt Brodtmann, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Die Diskussion über seine Dissertation ändere nichts an seiner „unglaublichen Lebensleistung als Politiker und Minister“. Der Auftritt in dem Werbefilm sei das bislang stärkste Engagement Guttenbergs für seine Fakultät, von Geldspenden sei ihm nichts bekannt, sagte Brodtmann. Unisprecher Schmälzle sagte, die Hochschule gebe grundsätzlich keine Auskunft über Spender und Stifter.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

15 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben