Zeitung Heute : Karriere zwischen Mode und Markt

Der Friseur profitiert von den Trends der Mediengesellschaft. Er ist nicht nur kreativer Künstler, sondern auch Kaufmann. Nach den Einbrüchen in den beiden Vorjahren hat sich das Gewerbe bundesweit stabilisiert

Eick L

Christina Aguilera, Sarah Connor und David Beckham beweisen: Wenn es gilt, der Persönlichkeit das richtige Outfit zu verleihen, dann ist in jedem Fall der Friseur gefragt. Friseure haben die Hand am Puls der Zeit: Sie sind Fachberater für Mode und Schönheit. Das macht attraktiv. Der Friseurberuf rangiert unter den Top Ten der Hitliste deutscher Ausbildungsberufe. Und: Nach den Umsatzeinbrüchen in den beiden Vorjahren hat sich das Gewerbe bundesweit stabilisiert. Auch in Berlin sprießen wieder neue Geschäfte aus dem Boden.

Im Trend bei den Kunden und gut fürs Geschäft ist vor allem eines: mehr Farbe. Nach einer Analyse der Wella AG, einem der größten Hersteller von Haartönungen, wurden 2004 fast fünf Prozent mehr Farbbehandlungen durchgeführt als im Vorjahr. Mit einem satten Plus von zwölf Prozent legten die Strähnen besonders stark zu.

Die meisten Menschen gehen jedoch wegen des Haarschnitts zum Friseur: mehr als zwei Drittel der weiblichen Kundschaft und die Hälfte der Männer. Unter der Schere sind alle Menschen gleich, doch die angebotenen Dienstleistungen sind es nicht: „Beim Haarschnitt im Damensalon spielen die zusätzlichen Dienstleistungen, die separat nachgefragt werden oder im Komplettpreis enthalten sind, eine größere Rolle als bei Männern“, weiß Dirk Kramprich vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks in Köln. Zudem seien Frauen viel modebewusster und anspruchsvoller ihrer Frisur gegenüber. „Dieses Verhalten schlägt sich natürlich auch im Aufwand nieder“, meint Kramprich. „Der Friseur muss erheblich mehr in fachliche Schulungen, modische Fortbildungen und Werbeveranstaltungen investieren, um die Modewünsche der Frauen erfüllen zu können. Der modische Anspruch der Frauen kann allein durch aufwändige Beratungsgespräche angemessen erfüllt werden, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, als es von männlichen Kunden gewünscht und praktiziert wird“, sagt Kramprich.

Friseure sind ständig auf der Suche nach neuen Ideen: Das schlägt sich auch in den Branchenzahlen nieder, denn so bunt wie die Köpfe ihrer Klienten zeigen sich auch die Betriebe. Nach Angaben des Zentralverbandes arbeiteten 2004 bundesweit rund 220 000 Vollbeschäftigte in 66 431 Friseursalons. Die Vielfalt der Unternehmen ist grenzenlos – vom Beauty-Tempel über den Event-Salon bis hin zum Cut-&-Go-Shop. Die Zahl der Unternehmen am Markt ist in der Vergangenheit stetig gestiegen. In Berlin sind neue Friseurgeschäfte vor allem in Prenzlauer Berg, Mitte, Friedrichshain, Charlottenburg und Kreuzberg eröffnet worden. „Der Friseur ist nicht nur kreativer Künstler, sondern auch Kaufmann“, betont Kramprich. Nicht allein der Verkauf von Haarpflege- und Kosmetikprodukten gehört dazu. Gut geplante Arbeitsabläufe, professionelle Produktpräsentation, ein erfolgsorientiertes Marketing und ein standortgerechtes Salonkonzept machen den geschäftlichen Erfolg erst möglich.

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