Zeitung Heute : Karrierewege für internationale Spitzenforscher

Wie die Freie Universität ihr Zukunftskonzept für die neue Exzellenz-Runde weiterentwickelt

Peter-André Alt
Ort des Austauschs: Auf dem Campus der Freien Universität Berlin in Dahlem und Düppel, Lankwitz und Steglitz studieren, promovieren und forschen Menschen aus 130 Ländern. Von den 4.800 Doktoranden kommen 23 Prozent aus dem Ausland.Foto: Peter Himsel
Ort des Austauschs: Auf dem Campus der Freien Universität Berlin in Dahlem und Düppel, Lankwitz und Steglitz studieren,...

Die beliebteste Eröffnungsformel, mit der auswärtige Besucher ihre Gesprächspartner an der Freien Universität begrüßen, lautet: „Das ist ein wunderschöner Campus hier in Dahlem.“ Was die wenigsten Gäste wissen und erst im Gespräch erfahren: Der Forschungscampus Dahlem ist einer der größten Wissenschaftsstandorte Deutschlands. Etwa 8700 Menschen arbeiten hier in Projekten der Spitzenforschung. Neben der Freien Universität, deren Gebäude und Fachbereiche sich um einen Radius von 1,5 Kilometern erstrecken, lassen vier Max-Planck-Institute, das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik, die Bundesanstalt für Materialforschung und das Deutsche Archäologische Institut diesen Standort zu einem international herausragenden Netzwerk wissenschaftlicher Aktivität und Kooperation werden.

Die privilegierte Lage im Berliner Südwesten bietet der Freien Universität optimale Voraussetzungen, um ihre Zukunft erfolgreich zu gestalten. Sie spielt auch eine wichtige Rolle in ihrem strategischen Konzept für die neue Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder, über deren Anträge im Juni 2012 entschieden wird. Dieses Konzept orientiert sich an zwei wesentlichen Zielen: dem Ausbau internationaler Netzwerke und der Stärkung der Nachwuchsförderung mit außeruniversitären Partnern. Die Voraussetzungen sind sehr gut: Seit 2007 hat die Freie Universität im Zuge ihrer Förderung als eine von bundesweit neun Exzellenzuniversitäten ihr Programm der Internationalisierung höchst erfolgreich vorangetrieben. Unser neuer Antrag, der intensiv in den Fachbereichen, im Akademischen Senat und mit den unterschiedlichen Statusgruppen diskutiert worden ist, setzt auf Kontinuität und Neuakzentuierung gleichermaßen.

Die Kontinuität besteht darin, dass wir unsere Ziele mithilfe dreier strategischer Zentren umsetzen, die seit 2007 etabliert sind. Es handelt sich erstens um das Center for International Cooperation, das die sieben Verbindungsbüros der Freien Universität von New York und São Paulo über Brüssel, Kairo und Moskau bis nach Neu-Delhi und Peking betreut und die Zusammenarbeit mit den damit verknüpften Zielregionen vertieft. Eine wichtige Rolle spielt zweitens die Dahlem Research School, die als Dach-Einrichtung für die strukturierten Promotionsprogramme der Universität zuständig ist und zukünftig die Lehr- und Leitungsqualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses organisieren wird. Das Center for Research Strategy – wie das derzeitige CCD künftig heißen wird – unterstützt drittens den Aufbau von Nachwuchsgruppen in der Spitzenforschung; es begleitet die Weiterentwicklung unser fachbereichsübergreifenden Großforschungsbereiche – die Focus Areas – und ermittelt durch Potenzialanalysen unsere Perspektiven für künftige Wissenschaftsaktivitäten im europäischen Raum. Sämtliche dieser Aktivitäten entwickeln sich in engem Zusammenwirken mit unseren Abteilungen für Internationales und für Forschung.

Die internationale Dimension der Netzwerkbildung wird im neuen Zukunftskonzept durch eine verstärkte regionale Zusammenarbeit ergänzt. Gemeinsam mit drei Dahlemer Max-Planck-Instituten (MPI) – den MPI für Bildungsforschung, für Wissenschaftsgeschichte und für Molekulare Genetik –, dem Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin-Mitte, dem Helmholtz-Zentrum Berlin sowie dem Wissenschaftszentrum Berlin wird die Freie Universität junge Spitzenforscher aus dem In- und Ausland fördern. Zu diesem Zweck haben wir eigene Arbeits- und Projektformate entwickelt, die es ermöglichen sollen, die wissenschaftliche Laufbahn im Rahmen eines akademischen Karrierewege-Modells besser als bisher zu planen und zu gestalten. Im Zentrum stehen drei Stufen nach der Promotion: die Postdoc-Förderung (für die Dauer von zwei Jahren nach Abschluss der Dissertation), der Aufbau einer Nachwuchsgruppe mit eigenen Doktoranden (für eine Einrichtungsdauer von maximal fünf Jahren) und die Etablierung von Zeitprofessuren für die besten Nachwuchskräfte, die wir auf längere Sicht an die Freie Universität Berlin binden möchten. Ergänzt werden diese Förderformate durch zwei wesentliche Bausteine: zum einen durch einen Fonds mit flexiblen Mitteln, der eine unbürokratische Finanzierung in Übergangsphasen nach Auslaufen von Projekten ermöglicht, der mithin Perioden der Unsicherheit frühzeitig vermeiden hilft. Und zum anderen durch Qualifizierungsmaßnahmen, die die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beim Erwerb von Lehrkompetenzen unterstützen und auf die Übernahme von Leitungsverantwortung vorbereiten. Das dafür nötige Programm sichern die Dahlem Research School und die Deutsche Universität für Weiterbildung, die wir gemeinsam mit der Klett-Gruppe aufgebaut haben.

Dass wir diese Förderprozesse gemeinsam mit außeruniversitären Einrichtungen der Spitzenforschung auf dem Forschungscampus Dahlem organisieren, bildet einen wichtigen Baustein unserer Zukunftsplanung. Die Vorzüge des Konzepts liegen auf der Hand: Die gemeinsame Finanzierung von Postdoc-Projekten und Nachwuchsgruppen schafft größere Spielräume; der Wechsel von jungen Wissenschaftlern zwischen den Einrichtungen erweitert die gemeinsamen Perspektiven für die akademische Personalentwicklung; gezielte Förderung, etwa von Frauen in den Naturwissenschaften, ist besser als bisher möglich; die finanzielle Verantwortung für Laborausstattung und technische Geräte kann zwischen der Freien Universität und ihren außeruniversitären Partnern geteilt werden.

Leitmotiv unseres Zukunftskonzepts bleibt das Ziel der Internationalisierung: So müssen die Nachwuchsgruppen beispielsweise verbindlich ein eigenes Internationalisierungsprogramm erarbeiten, das die Kooperation mit Partneruniversitäten, den Austausch von Arbeitsgruppen, gemeinsame Workshops und Gastaufenthalte vorsieht. Im Zusammenspiel mit unseren Verbindungsbüros im Ausland möchten wir die besten Nachwuchskräfte als Kandidaten für den Aufbau der neuen Arbeitsgruppen gewinnen und auf diese Weise junge, besonders produktive Wissenschaftler an die Freie Universität binden.

Internationale Aktivitäten setzen wir aber auch auf anderen Ebenen fort. Schon jetzt entwickeln wir strategische Partnerschaften mit Spitzenuniversitäten wie der Universität Beida in Peking, der Hebrew University in Jerusalem oder den Top-Hochschulen im koreanischen Seoul. Zu den Zielen dieser Partnerschaften gehört es, gemeinsam Nachwuchswissenschaftler zu fördern, sich verstärkt für einheitliche Curricula zu engagieren und Austausch- und Gastprofessuren zu etablieren.

Weil auch heute noch die unabhängige wissenschaftliche Tätigkeit in vielen Ländern der Welt unterbunden wird, setzt sich die Freie Universität in Zukunft verstärkt für Forscherinnen und Forscher ein, die in ihrer Heimat nur eingeschränkt arbeiten können. Für dieses Ziel richten wir einen Freedom Fonds ein; wir wollen den Wissenschaftlern für ein Jahr die Möglichkeit zur ungehinderten wissenschaftlichen Tätigkeit und Kommunikation auf dem internationalen Forschungscampus Berlin-Dahlem bieten. Ein solches Angebot sind wir auch unserer Gründungsgeschichte schuldig: Ohne den Einsatz internationaler Partner hätten wir uns nicht zu einer freiheitlichen Universität entwickeln können.

Mit unserem Netzwerk-Programm werden wir unsere Zukunft aktiv und intellektuell unabhängig gestalten. Im produktiven Zusammenwirken aller Mitglieder der Freien Universität, gestützt auf vielfältige Kompetenz und langjähriges Erfahrungswissen, können wir unseren Status als Spitzenuniversität in Forschung und Lehre erfolgreich ausbauen.

Der Autor ist Präsident der Freien Universität Berlin.

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