Zeitung Heute : Kartellamt sieht keinen Grund gegen Gratis-Blätter in Köln vorzugehen

Ein fast unbekannter Medienkonzern aus Skandinavien bringt Unruhe in die Kölner Presselandschaft: Mit der Verteilung von 150 000 Exemplaren der kostenlosen Morgenzeitung "20 Minuten" hat der norwegische Verlag Schibsted am Montag in der Millionenstadt einen Zeitungskampf ausgelöst. Doch die Gratis-Aktion am Rhein ist nur ein Test für eine Strategie, die sich in ganz Europa auszahlen soll: Am Montag startete Schibsted auch in Zürich ein Blatt, das nur durch Anzeigen finanziert werden soll. Schibsteds Konzept macht der Name des 24 Seiten starken Blattes deutlich: "20 Minuten", vor allem für Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel gedacht, soll in boulevardmäßiger Aufmachung und einem Gemisch aus internationalen und lokalen Nachrichten von Politik bis Sport unterhalten. Chefredakteur Klaus Kelle sagte, man wolle nicht so sehr die Konkurrenz angreifen. "Wir wollen vor allem junge Leute ansprechen, die oft gar keine Zeitung mehr lesen."

Der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg und der Axel Springer Verlag, die in Köln ihre Kaufzeitungen "Express" und "Bild" herausgeben, sehen das im derzeit ohnehin schwächelnden Boulevardmarkt anders. Springer setzte Schibsted am Montag als Abwehrmaßnahme das ebenfalls kostenlose "Köln extra" im selben Format und demselben Umfang entgegen. DuMont will an diesem Dienstag in Köln mit der kostenlosen "Express Leseprobe" antworten.

Der Springer-Konzern hält die Herausgabe von Gratis-Zeitungen für wettbewerbswidrig. Der Versuch des Verlages, die in Städten wie Freiburg gestarteten kostenlosen Sonntagszeitungen vor Gericht untersagen zu lassen, ist jedoch gescheitert. Das Bundeskartellamt sieht in der Gratis-Abgabe von Tageszeitungen in Köln kein Vorgehen, das ein Einschreiten von Amts wegen erforderlich macht. Ein Sprecher sagte am Montag in Bonn, prinzipiell stehe es jedem Anbieter frei, sein Produkt zum Preis Null zu verkaufen. Der Erlös der Zeitung werde über Anzeigen erzielt. Einschreiten müssten die Wettbewerbshüter nur, wenn es sich bei dem Vorgehen um eine gezielte Verdrängungsabsicht eines marktbeherrschenden Unternehmens handele. Anzeigen von Mitkonkurrenten lägen bislang nicht vor.

Auch kostenlose Zeitungen an Werktagen gibt es bereits: Der Verleger Robert Sidor lässt seit etwa einem Jahr eine digital hergestellte Zeitung in Hamburg (75 000 Exemplare) und Berlin (170 000) verteilen. Im Unterschied zum Schibsted-Blatt erscheint "15 Uhr aktuell" bei deutlich geringerem Umfang nachmittags.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben