Zeitung Heute : Kasparov gewinnt gegen die Welt - ein guter Zug kam nicht an

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Es sollte das größte und längste Schachspiel aller Zeiten werden: Gary Kasparov gegen den Rest der Welt, gegen jeden Computerbesitzer mit Internet-Anschluss. Ein Duell in Microsofts "gaming zone" ( e.com/kasparov/Home.asp ), das seit 19. Juni läuft und nun im 60. Zug vor einem unrühmlichen Ende steht.

Microsoft wird beschuldigt, die Partie zugunsten Gary Kasparovs manipuliert zu haben. Mehrere News-Sites im Internet berichten, dass ein Zug nicht veröffentlicht worden sei, der der Internet-Gemeinschaft zu einem Remis gegen den Schach-Weltmeister verholfen hätte.

Es geht um den 58. Zugvorschlag der Welt-Gemeinde, abgegeben von der erst 15-jährigen US-Großmeisterin Irina Krush, der Stunden zu spät beim Server eingegangen sein soll (pro Tag wird bei dem Internet-Schachduell eine Figur bewegt). Laut Microsoft konnte der Zug so nicht berücksichtigt werden. Krush gilt als die stärkste Widersacherin von Kasparov im Netz. Die Internet-Gemeinde hatte 53 von 57 Vorschlägen der US-Spielerin angenommen. Nach dem nicht angenommenen 58. Zug steht Kasparov mit seinen weißen Figuren im Endspiel (siehe Foto) etwas besser da.

Deutschlands Microsoft-Sprecher Bernhard Grandel sieht die Vorwürfe um den ominösen 58. Zug gelassen: "Ich glaube nicht, dass da irgendeine Absicht im Spiel war, schon gar nicht Manipulation. Die E-Mail von Frau Krush kam wohl nicht vor der täglichen Deadline an. Das kann bei Servern schon mal passieren."

Technische Probleme hin, Manipulation her: Der Partie Kasparov gegen den Rest der Welt haftet so ein fader Beigeschmack an. Und dem exzentrischen Schachgenie bleibt ein weiteres peinliches Computererlebnis erspart. Im Februar 1996 verlor der wahrscheinlich stärkste Schachspieler aller Zeiten eine Turnierpartie gegen den Schachcomputer "Deep Blue", ein tonnenschweres IBM-Rechenmonstrum mit über 256 parallel geschalteten Chips, das pro Sekunde etwa eine Million Stellungen berechnen konnte (Kasparov schafft in dieser Zeit höchstens eine). Am Ende des Turniers siegte Kasparov mit 4 : 2.

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