Zeitung Heute : Katar bietet sieben Milliarden für Porsche

Traditionsfirma wäre vor Übernahme durch VW sicher / Gesamtbetriebsrat: Grund zum Jubel

Maren Peters

Berlin - Im Übernahmekampf um Porsche gibt es offenbar eine entscheidende Wende. Der Staatsfonds von Katar biete Porsche insgesamt sieben Milliarden Euro für den Kauf von Stammaktien und Optionen, erfuhr der Tagesspiegel am Sonntag aus unternehmensnahen Kreisen. Damit könnte der hoch verschuldete Sportwagenbauer, für den auch VW bietet, in Zukunft eigenständig bleiben, hieß es weiter. Das letzte Wort hätten aber die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. Sie werden voraussichtlich am 23. Juli entscheiden. Für diesen Tag hat der Porsche-Vorstand beim Aufsichtsrat eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung beantragt. Eine Porsche-Sprecher sagte auf Anfrage, man wolle die Spekulationen nicht kommentieren.

Gleichzeitig pokert auch Volkswagen weiter um Porsche. VW habe sein Übernahmeangebot für den Sportwagenhersteller erhöht, berichtet der „Spiegel“. Statt drei bis vier Milliarden Euro böten die Wolfsburger nun deutlich über vier Milliarden Euro für die Übernahme von 49,9 Prozent an der Porsche AG. Unternehmensnahe Kreise sagten, die Zahl sei nicht ganz abwegig.

Porsche hatte sich in den vergangenen Jahren trickreich bei VW eingekauft und mit 51 Prozent die Mehrheit an VW und damit dem größten Autokonzern Europas gesichert. Doch das Ziel, den Anteil auf 75 Prozent aufzustocken, scheiterte, weil das Land Niedersachsen von seiner Sperrminorität Gebrauch machte. Damit bleibt Porsche auch der Zugriff auf die volle VW-Kasse verwehrt. Der Plan, mit den VW-Milliarden einen Großteil der Schulden abzuzahlen, die durch die VW-Anteilskäufe auf neun Milliarden Euro gestiegen sind, ging nicht auf. Porsche braucht daher dringend einen Investor, wenn der Konzern seine Eigenständigkeit retten und nicht als zehnte Marke unter dem Dach von VW enden will.

„Wenn es mit dem Golfstaat Katar einen solchen Investor geben sollte, dann wäre das für die Beschäftigten ein Grund zu jubeln“, sagte Porsche-Konzernbetriebsrat Uwe Hück dem Tagesspiegel. Das Wichtigste sei jetzt, die Liquidität beider Unternehmen – VW und Porsche – sicherzustellen. Denn mit dem Ende der Abwrackprämie sei spätestens Anfang kommenden Jahres mit einem drastischen Rückgang der Autonachfrage zu rechnen. Dann seien Arbeitsplätze bei beiden Unternehmen in Gefahr, betonte Hück. Sollte VW Milliarden bei Porsche investieren, würde dies den Konzern schwächen, ist er überzeugt. „Wir brauchen daher einen Investor von draußen – nicht einen, der linke Tasche, rechte Tasche macht.“

Während sich der Kampf um Porsche damit dem Ende zu nähern scheint, gibt es bei der Übernahme der General-Motors-Tochter Opel durch Magna Verzögerungen. Der ursprünglich für den 15. Juli geplante Vertragsabschluss wird inzwischen von mehreren Seiten als unrealistisch eingestuft. Es gebe noch einige Hausaufgaben zu machen, bestätigte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. „Es kann im Endspurt sein, dass der Abschluss noch um zwei bis drei Tage verschoben wird“, bestätigte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz dem Tagesspiegel am Sonntag. Es handle sich aber um „nichts Besorgniserregendes“. Einige Dinge müssten noch abgeklärt werden, sagte er, ohne Details zu nennen. Es sei „äußerst kompliziert“, mit den Amerikanern Verträge zu machen. Franz ist aber überzeugt, dass ein Abschluss mit Magna zustande kommt. „Es gibt auch keine Alternative“, betonte er.

Dem chinesischen Autobauer BAIC, der sich auch um Opel bemüht, gibt auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) keine Chance mehr. Das Unternehmen sei zu klein, um eine Übernahme des hiesigen angeschlagenen Autoproduzenten stemmen zu können.

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