KATASTROPHENFILM „2012“ : Die Arche Emmerich

Christina TilmannD

Hunde haben’s gut bei Emmerich: Sie überleben. Anders als russische Blondinen, Boxer oder Präsidenten. Denen bleibt nur noch die Wahl der Todesart: Lieber in einem Tsunami ertrinken oder im Ascheregen ersticken, kilometerweit in die Tiefe einer Erdspalte stürzen oder von der Kuppel des Petersdoms erschlagen werden? Man kann natürlich auch ganz regulär mit dem Flugzeug abstürzen oder mit dem Kreuzfahrtschiff untergehen. Auch ein Autounfall ist gar nicht so unwahrscheinlich. Merke: Am sichersten unterwegs bei Weltuntergängen ist man offenbar zu Fuß.

Um seine Vision der ultimativen Katastrophe zu illustrieren, ist Filmregisseur Roland Emmerich („The day after tomorrow“) nicht zimperlich: Erdbeben und Vulkanausbrüche, meterhohe Wogen, Schnee und Eis, Feuersbrünste, ganze Städte, die ins Meer kippen – es wird geboten, was die Tricktechnik hergibt, und Emmerich ist nicht umsonst ziemlich stolz darauf, dass selbst der computeranimierte Mount Everest keineswegs unecht aussieht, wie er da aus dem Meer ragt.

Und doch bietet er mit dem Spektakel nicht nur lustvolle Weltzerstörung, wie ein Kind, das sein Bauklötzchenturm mit Begeisterung wieder einreißt. Emmerich hat ein Anliegen: Der Weltuntergang ist selbstgemacht, und die Verursacher sind wir Menschen, die Umweltsünder. Klimakatastrophe, schmelzende Polarkappen, Erderwärmung: All das sind Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Und doch folgt der Weltuntergang einem uralten Plan: Schon die alten Mayas hatten vorausgesagt, dass es nach Ablauf ihres Kalenders zum Weltuntergang kommen würde. Am 20.12.2012 ist es soweit.

Da haben wir ja noch zwei Jahre Zeit. Doch bei Emmerich vergehen die Monate vor der Katastrophe im Zeitraffer, 2009 ist eine Episode von wenigen Minuten. Auch sonst ist „2012“ auf der Höhe der Gegenwart: Der Präsident der Vereinigten Staaten, der sich entschließt, mit seinem Volk zu sterben, ist in Gestalt von Danny Glover schwarz, wenn auch deutlich älter als Obama. Hätte Hillary Clinton die Wahl gewonnen, wäre es eine Präsidentin geworden. Und diejenigen, die am ehesten der Katastrophe gewachsen sind, sind weder Europäer noch Amerikaner, sondern ein indischer Wissenschaftler, ein tibetanischer Mönch und die chinesischen Erbauer einer Arche. Und die Zukunft liegt in Afrika. Bombastisch. Christina Tilmann

„2012“, USA 2009, 158 Min., R: Roland Emmerich, D: John Cusack, Chiwetel Ejiofor, Woody Harrelson, Amanda Peet

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