Katholische Kirche : Der Reichtum von Köln

Das katholische Bistum Köln, das größte in Deutschland, verfügt über 3,35 Milliarden Euro. Nicht nur Trash- und "Bild"-Poet Franz Josef Wagner findet das unanständig. Auch unser Kolumnist Helmut Schümann, selbst wenn ihm diese Alliance peinlich ist.

Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Man sucht jetzt Schätze, nachdem Hobbytaucher auf dem Meeresgrund vor Israel 2000 Goldmünzen aus dem 11. Jahrhundert gefunden haben. Davon können sie zwar nichts kaufen, dürfen sie noch nicht mal behalten, aber sei’s drum.

Nun wird beispielsweise das Inka-Gold in Ecuador gesucht. Oder das Nazi-Gold im Stolpsee. Oder das Bernsteinzimmer, aber das schon lange. Auch sollen 500 Tonnen Gold des Zaren am Boden des Baikalsees lagern. Und so weiter. Mal gar nicht zu reden von all den Schätzen der griechischen Reeder, die möglicherweise die Ägäis auf- und Festland sowie griechische Inseln abwerten. Oder das Nazi-Gold im Stolpsee, 18 Kisten, die SS-Männer in den Brandenburger See geschmissen haben sollen. Nach denen fahndete schon die Stasi, aber dass die nichts fand, ist ja nicht verwunderlich, unter Wasser gab es keine IMs.

Bei all der weltweiten Schatzsuche ging bislang unter, dass die Schatzsucher, zumindest die aus Deutschland, gar nicht irgendwo auf dem Globus suchen müssen, sie bräuchten eigentlich nur nach Köln zu fahren. Schon klar, wer möchte das schon?

Okay, das war jetzt eine Spitze eines Düsseldorfers. Und geht auch eigentlich nicht gegen Köln. Die sind ja dort schon genug gestraft mit dem FC. Und mit der katholischen Kirche. Genauer gesagt mit dem dortigen Bistum.
Das ist das reichste Bistum Deutschlands, und dessen Reichtum wurde gerade recherchiert und publiziert: Das Gesamtvermögen besteht aus 3,35 Milliarden Euro. Das findet nicht nur der Boulevard-Poet Franz-Josef Wagner reichlich unanständig. Dass ich mit dem mal einer Meinung bin, ist mir zwar peinlich, ist aber so.

Dass die Kirche reich sein muss, ist klar, weil das Bistum angeblich täglich zwei Millionen Euro für Seelsorge, Kindertagesstätten, Schulen und Krisengebiete ausgibt. Und was ist mit der Kirchensteuer im doch gar nicht so arg säkularen Deutschland? Wird die in die 2,4 Milliarden Euro gesteckt, die das Bistum aus Wertpapieren, Renten-, Immobilien- und Aktienfonds angehäuft hat?

Jesus, der Vorzeigekatholik, der übrigens als Jude niemals hätte Schützenkönig werden können (so viel als Nachklapp zum Christenstreit der Schützen), Jesus von Nazareth hat sich mit Geldhändlern, also Bankern, angelegt und deren Büros verwüstet. Oder mit anderen Worten: Das Christentum, zumindest der Katholizismus des Bistums Köln, ist auch nicht mehr, was es mal wahr. Eine Übersetzung von Amen lautet „So soll es sein“. Nö. Eigentlich nicht.

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