Zeitung Heute : Katzen würden Batterien kaufen

Der Tagesspiegel

Von Gregor Wildermann

Die Ägypter verehrten sie als Wächter des Himmels, für manchen Zeitgenossen sind sie nur kratzende Ungetüme, die ihren eigenen Weg gehen. Und doch gehören Katzen zu den beliebtesten Haustieren weltweit, wobei die japanische Firma Omron Corporation genau diese Tatsache als Vehikel für eines ihrer neuesten „Sicherheitsprodukte“ benutzt. Im ehemaligen Kaiserstaat wird das Roboter-Modell „EPA-R01“ oder kurz „NeCoRo“ angeboten. Die Firma definiert diese bewegliche Stoffkatze als ein „cat type communication robot“. Für 185 000 Yen (etwa 1600 Euro) kann man den neuen Hausfreund in den Fellfarben Grau oder Braun bestellen, wobei die Stückzahl auf 5000 Exemplare beschränkt wurde.

Mit Batterien wiegt die Roboterkatze fast zwei Kilo, ist etwas länger als dreißig Zentimeter (ohne Schwanz) und kann mit voller Energieladung neunzig Minuten Einsatzbereitschaft in die automatisierte Beziehung Mensch–Maschine einbringen. Dank der MaC-Technologie (Mind and Consciousness) von Omron lernt „NeCoRo“ wie sein Hundekollege Aibo ständig dazu und entwickelt ein auf den „Halter“ abgestimmte Verhaltensmuster.

Die Katze gehorcht mit dem im Kopf eingebautem Mikrofon auf Rufbefehle wie seinen Namen und beherrscht 48 verschiedene Katzengeräusche. Ihr leicht steifes Aussehen scheint den Omron- Entwicklern allerdings nicht aufgefallen zu sein, und in ihren Leistungsdaten listet man auch gerade mal 15 unterschiedliche Körperstellungen auf. Die Firma Omron sieht in ihrer Kunstkatze aber nicht nur eine banale Unterhaltung, sondern „NeCoRo“ als Teil einer Gesellschaftsidee, die sie selbst „Optimization Society“ nennt. Frei nach dem Werbespruch „Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch“, soll der brave Hausfreund den Besitzer mit gespielter Zuneigung „ein Gefühl von Freundschaft und Geborgenheit liefern“ und damit automatisch glücklicher machen. Vorbei die Tage, an denen ein aufgekratztes Sofa und tote Mäuse den Alltag im Wohnzimmer trübten. Bei den knappen japanischen Wohnverhältnissen ist die Haltung eines Batteriemodells wahrscheinlich auch die artgerechtere Alternative.

Und so überrascht es nicht, dass im Land von Sushi und Mount Fuji neben Sony nun ein weiterer Elektronik-Gigant auf tierische Roboter setzt. Die Firma Sanyo, sonst für Videorekorder oder Hi-Fi bekannt, stellte in diesen Tagen den Robotervierbeiner „T7S Type 1“ vor, der als Wachhund eingesetzt werden soll. Via Handy wird es dem Besitzer möglich sein, die Überwachungskamera des Hundes zu steuern und so mögliche Einbrecher schon im Garten zu erkennen. Die stromlinienförmige Version „T 7 S Type 2“ soll rund 860 Euro kosten. Post- und Zeitungsboten wird das freuen.

Im Internet:

www.necoro.com

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