Zeitung Heute : Kaufhaus im Ausverkauf

Wenn Warenhäuser überleben wollen, brauchen sie neue Konzepte – schon heute sind Spezialgeschäfte wieder attraktiver

Maurice Shahd

Die Konkurrenz der Einzelhändler ist groß – Karstadt will 4000 Stellen streichen. Sind die großen Warenhäuser bald am Ende?

Der Tante-Emma-Laden ist Vergangenheit, der kleine Supermarkt um die Ecke wird von den Aldis und Lidls platt gemacht. Verschwindet jetzt auch das Kaufhaus – oder kommt gar Tante Emma zurück? „Hertie hat’s“, hieß es früher. Die Marke Hertie ist verschwunden, nachdem das Unternehmen nach langer Leidenszeit von Karstadt gekauft wurde.

Heute steckt Karstadt in der tiefsten Krise seiner Unternehmensgeschichte: Der größte Warenhauskonzern in Europa baut 4000 Arbeitsplätze ab, um wieder profitabel zu werden. Es könnte der Anfang vom Ende für viele der kleinen, mäßig laufenden Karstadt-Häuser sein. Der Stellenabbau soll – so weit es geht – sozialverträglich erfolgen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Karstadt die Zahl seiner Mitarbeiter um fast acht Prozent reduziert. 47000 Leute arbeiten noch in den Warenhäusern und Fachgeschäften des Handelskonzerns.

Grund für den schrumpfenden Umsatz ist nicht nur die Konsumflaute. Die Kaufhäuser werden von der Konkurrenz regelrecht in die Zange genommen. Die Spezialgeschäfte machen den Kunden häufig das bessere Angebot als der Gemischtwarenhändler. Bei Bekleidung, dem wichtigsten Sortiment in einem Kaufhaus, sind es vor allem Textilketten wie H & M, Zara oder Mango. Sie gelten besonders bei jüngeren Leuten als modischer und billiger. Vom Design bis zur Produktion kontrolliert H & M alles selbst und ist so in der Lage, alle vier bis sechs Wochen neue Kollektionen in seine Filialen zu bringen.

Bei Lebensmitteln machen den Karstadt-Häusern die Discounter zu schaffen und bei Unterhaltungselektronik und Computern sind es die Fachmärkte wie Media Markt oder Saturn. Die Elektronikmärkte präsentieren auf großen Flächen eine reichhaltige Auswahl vom Kühlschrank bis zum Notebook und bieten – meist – den besseren Preis. Gleichzeitig stieg in den vergangenen Jahren die Zahl der SB-Warenhäuser stetig an. Diese überwiegend in den Einkaufszentren auf der grünen Weise angesiedelten Riesen- Supermärkte führen neben Lebensmitteln auch Kleidung, Haushaltsutensilien oder Elektronik – die klassischen Sortimente der Kaufhäuser.

Auf diese Entwicklungen hat Karstadt sehr spät reagiert. Die direkte Konkurrenz vom Kaufhof steht zwar ebenfalls nicht blendend da, hat es nach Ansicht von Branchenexperten aber früher geschafft, die Sortimente neu zu sortieren, unrentable Häuser zu schließen und andere zu modernisieren. Ähnlich will jetzt auch Karstadt vorgehen. Die seit Jahren Verluste bringenden Elektronikabteilungen werden verkleinert, die Sortimente für junge Mode vergrößert und bei Lebensmitteln arbeitet Karstadt künftig mit dem Handelskonzern Rewe zusammen.

Ob das reicht, ist fraglich. Viele der kleinen und mittelgroßen Häuser in wenig attraktiven Stadtlagen sind chronische Verlustbringer. Rund 80 der 180 Karstadt- Warenhäuser sollen Verluste machen. Gegen Schließungen in großem Stil wehrt sich das Management aber noch. Das würde nicht nur das Image beschädigen, sondern auch unkalkulierbare Kosten verursachen, wenn die Immobilien anschließend nicht zu verwerten sind.

Dass Warenhäuser noch funktionieren, zeigen das KaDeWe oder das Alsterhaus in Hamburg. Sie glänzen mit einer großen Auswahl, edlem Ambiente und gutem Service. Allerdings zieht dieses Konzept nicht in Orten wie Wuppertal, Braunschweig oder Spandau.

Das Warenhaus ist zwar nicht tot, seine besten Zeiten hat es aber hinter sich.

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