Zeitung Heute : Kaufhauserbe und Hans Barlach übernehmen die Hamburger Boulevardzeitung

Thomas Eckert

Alles Wird Anders. Aber wie es wird, das weiß man noch nicht so genau, oder will es nicht sagen. Das ist das Ergebnis der Pressekonferenz, auf der gestern im Weißen Saal des Hotels Atlantic in Hamburg unter Kronleuchtern offiziell der Verkauf der "Hamburger Morgenpost" an die Unternehmer Frank Otto und Hans Barlach vorgestellt wurde. Nichts Genaues weiß man nicht: der Verkaufspreis liege - so Otto - bei einer siebenstelligen Summe. Im Vertrag soll die Summe von fünf Millionen Mark stehen, gemunkelt wird von einer symbolischen Mark. Seit der Übernahme des Blattes durch Gruner + Jahr soll das Defizit 130 Millionen Mark erreicht haben, allein in diesem Jahr soll die Mopo ein Minus von sieben Millionen eingefahren haben. "Weniger als Sie denken", meinte Gruner + Jahr-Vorstandschef Gerd Schulte Hillen. "Unter vier Millionen DM", ergänzte Otto. Ein neues Konzept? "Wir haben noch gar keine Zeit gehabt, uns mit inhaltlichen Fragen zu beschäftigen", sagte Frank Otto.

Er ist unter anderem an dem Musikkanal "Viva" und an verschiedenen Privatradios beteiligt. Chefredakteurin Marion Horn habe er bisher nicht mehr als "Guten Morgen" sagen können, "aber der Weg wird sich finden. Jetzt werden wir erst einmal in aller Ruhe die Ziele definieren". Natürlich habe man sich Gedanken über die Zukunft des Blattes gemacht, aber die Konzepte seien doch alle am grünen Tisch entstanden, sagte Barlach, in ein paar Wochen werde man klarer sehen. Fünf Monate lang verhandelten die beiden Hamburger mit Gruner + Jahr, ehe der Kauf am Mittwoch perfekt gemacht wurde.

"Die Initative ging von uns aus", sagte der Galerist und Immobilienhändler Frank Barlach, in dessen Besitz sich seit einem Jahr auch das Wochenblatt "Hamburger Rundschau" befindet. "Der Verkauf ist uns nicht leicht gefallen", sagte Gerd Schulte-Hillen, aber es habe im Konzern für die Hamburger Morgenpost als ein "standing alone", also als ein Boulevardblatt ohne Anbindung an eine regionale Zeitung, die Zukunftsperspektive gefehlt. Am 1. November, wenn Otto und Barlach offiziell Eigentümer der Hamburger Morgenpost sein werden, wollen sie auch eigene Büros in den Räumen des Blattes beziehen. "Wir wollen jederzeit für die Mitarbeiter ansprechbar sein", bei denen Otto bei seinem ersten Redaktionsbesuch am Donnerstag morgen "Freude auf die neue Herausforderung" ausgemacht haben will. Auf umfangreiche personelle Veränderungen soll fürs Erste verzichtet werden. Außerdem sei die wirtschaftliche Situation der Mopo nicht so schlecht, wie immer behauptet werde. Zahlen nannte Otto nicht. "Aber ich bin mir sicher, dass wir nicht viele Jahre brauchen werden, um den Break even zu erreichen." Zur Zeit soll die Auflage bei etwa 140 000 Exemplaren liegen. Der Deutsche Journalisten-Verband und die IG Medien reagierten mit Sorge auf den Verkauf der 50 Jahre alten Zeitung, die ursprünglich im Besitz der SPD war.

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