Kaweh Niroomand : „Volleyball verdankt seinen Schub in erster Linie uns“

Kaweh Niroomand über den Aufschwung der BR Volleys und Entwicklungschancen seiner Sportart.

Kaweh Niroomand, 60, wurde im Iran geboren und kam 1973 als Student nach Berlin und als Volleyballspieler zum Verein der Saunafreunde.
Kaweh Niroomand, 60, wurde im Iran geboren und kam 1973 als Student nach Berlin und als Volleyballspieler zum Verein der...Foto: picture alliance / dpa

Herr Niroomand, Sie sind leidenschaftlicher Spieler der Individualsportart Golf. Wie würden Sie sich beschreiben? Als Einzelkämpfer oder als Teamplayer?

Definitv als Teamplayer. Ich bin ja erst spät zum Golf gekommen. Leider habe ich zu wenig Zeit dafür. Sowohl im Beruf als auch im Sport zählt für mich: Immer auf die Mannschaft setzen.

Bei den BR Volleys sind Sie sie als Manager ein Vorkämpfer, ein geschickter Verkäufer, oder?
Inzwischen verkaufe ich nicht nur, ich bin im Beruf Geschäftsführer von dreieinhalbtausend Leuten. Aber ich weiß, was Sie meinen. Ich kann schon meine Ware absetzen.

Sie haben sich ja mal als Kopf des Klubs bezeichnet...

Jedes Produkt braucht ein Gesicht, besonders in einer Entwicklungsphase. Denken Sie nur an Bayern München, die waren schon groß. Doch erst Uli Hoeneß hat sie mit seinem Gesicht ganz groß gemacht. Das Gesicht braucht man, es muss Geduld haben, zäh sein. Aber das Team ist wichtig. Es darf im Team niemand glauben, dass er unwichtig ist. Jeder muss Freiräume haben, um auch etwas zu entscheiden. Jeder muss fühlen, dass seine Entscheidung ein wichtiger Beitrag ist. So führen wir unsere Geschäftsstelle bei den Volleys. Keiner soll nur das nachkauen, was der Chef vorgibt. Ich muss das Richtige vorleben, den Einsatz, das fachliche Know-how und die Leidenschaft.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für den Volleyballsport? Und wie wichtig ist es, so eine Leidenschaft zu haben, wenn man etwas bewegen will?

Die Affinität zum Sport habe ich schon sehr früh entwickelt. Ich bin ja im Iran groß geworden, mein Vater war sehr sportbegeistert. Ich habe selbst lange Sport betrieben, auch sehr lange Volleyball gespielt. Sport ist Passion, Ehrlichkeit, Umgang mit Niederlagen und Siegen. Da lernt man Respekt. Das sind Attribute, die man für sein Leben lernen kann, das ist eine große soziale Plattform.

Die Plattform der BR Volleys ist in den jüngsten Jahren groß geworden. Es gab den Umzug in die Schmelinghalle, die besten Zuschauerzahlen in der Liga und den nationalen Meistertitel. Ihr Klub gehört zu den sechs großen Vereinen Berlins. Was haben Sie alles machen müssen, um die Volleys in diese Dimensionen zu hieven?

Durchhaltevermögen war der wichtigste Faktor. Ich betreibe dieses Riesenprojekt ja schon seit 25, 30 Jahren. Erst als Spieler, dann als Spielertrainer und Trainer beim Verein der Saunafreunde, später als Manager. Natürlich gab es Rückschläge. Vor fünf Jahren standen wir vor der Situation, dass der Berliner Sport anfing zu blühen. Alba ging in die O2-World, die Füchse in die Schmelinghalle. Die Eisbären kamen noch höher und über die beiden Fußballklubs brauchen wir gar nicht zu sprechen. Da habe ich mir gesagt, wir springen auf diesen Zug noch auf, bevor er sich trennt. Es gab ja viele Sportarten wie Wasserball oder Hockey, die trotz ihres Erfolges nicht mitkamen. Aber wir haben es versucht, haben ein paar Spiele in der Schmelinghalle ausgetragen. Gleich beim ersten Mal waren 5000 Leute da. Dann haben wir probiert, die Veranstaltung anders aufzuziehen und nicht nur ein trockenes Spiel zu veranstalten. Wir haben uns interessant gemacht und es wurde angenommen. Das hat mich total überrascht.

Events veranstalten auch andere in Berlin. Daher ist es vielleicht nicht so erstaunlich, dass das bei den Volleys Erfolg hat. Aber etwa in Königs-Wusterhausen geht es nur ums Überleben, Geld für Show gibt es nicht. Woher bekommt die Deutsche Volleyball-Liga mehr Klubs, die auf dem Level der Volleys mithalten können?

Das ist ein guter Punkt. Darüber diskutiere ich seit anderthalb Jahren mit der ganzen Liga. Wir können nur weiter existieren, wenn die Liga wächst, wenn der Volleyball wächst. Wir müssen harte zentrale Vorgaben machen, so wie das die Basketball-Liga gemacht hat.

Zum Beispiel?

Vorgaben zur Kapazität der Hallen und zum Etat sind absolut notwendig. Das muss stufenweise aufgebaut werden, aber ohne harte Regeln werden sich die Vereine nicht genötigt sehen, an diesen Dingen zu arbeiten. Man sieht es im Basketball, dass die Liga ausgeglichener geworden ist. Da müssen wir auch hinkommen. Das dauert noch ein, zwei, vielleicht vier Jahre. Ich bin mit dem Tempo überhaupt nicht zufrieden, da mache ich auch keinen Hehl draus beim Volleyball-Verband. Da müssen wir aus Berlin Druck ausüben.

Wie wird Volleyball in Deutschland überhaupt wahrgenommen? Ist es nicht so, dass die Erfolge der Beachvolleyballer bei den Olympischen Spielen den Hallensport in den Schatten stellen? Klebt noch Turnhallenmief am Volleyball?

Beachvolleyball war trendy, dann wurde es ruhiger. Nun hat der Sport einen Popularitätsschub nach dem Olympiasieg von Jonas Reckermann und Julius Brink bekommen. Aber ich sehe das nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung im Sommer. Volleyball ist ganzjährig präsent. Der Hallenvolleyball hat seinen Schub in erster Linie durch uns, die BR Volleys erhalten, wir haben das Image der Turnhallensportart durchbrochen mit unseren Zuschauerzahlen. Als nächsten Schritt müsste die Männer-Nationalmannschaft auch mal ein paar Erfolge haben. Und die Liga muss in andere Dimensionen kommen. 3000 bis 5000 Zuschauer pro Spiel wären in der Liga ein guter Schnitt.

Die Kosten im Volleyball würden bei so einer Expansion nach oben gehen. Gibt es genügend Sponsoren für Ihre Sportart? Es heißt, Sie müssten im Etat der BR Volleys auch mal Löcher schließen.

Ja gut. Darüber rede ich eigentlich nicht so gern. Aber dass der Etat bei uns nicht immer gedeckt ist, und dann gedeckt werden muss, ist nach wie vor der Fall. Natürlich haben auch wir finanzielle Sorgen und müssen Lücken schließen. Aber der Haushalt ist ungemein gewachsen. Wir hatten vor, 80 Firmen zu finden, die zu unserem Sponsorenkreis gehören. Vor zwei Jahren waren wir noch unter 40, jetzt sind wir schon über 60. In Berlin muss man auf den Mittelstand setzten. Und da habe ich einen Vorteil, dass ich viel in der Wirtschaft unterwegs bin.

Wie groß ist denn Ihr Saisonetat?

Er liegt bei gut 1,3 Millionen Euro. Wir wollen immer um die Deutsche Meisterschaft mitspielen und als nächster Schritt europäisch eine Größe werden.

Der nächste Schritt ist vergleichsweise klein, in den Play-offs geht es zum Auftakt gegen Dresden...

Wir haben das Ziel Endspiel ausgegeben und sind klarer Favorit. Aber es wäre fatal, Dresden zu unterschätzen.

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