Zeitung Heute : Kein Anschluss nach dieser Nummer

Henrik Mortsiefer

Telekom-Chef Obermann hat Mitarbeitern mit Kündigung gedroht. Nun weitet Verdi die Streiks aus. Welche Folgen hat das für die Kunden?


Telekom-Kunden in Berlin und Brandenburg sowie Bayern und Nordrhein-Westfalen werden von diesem Montag an die Folgen des Streiks deutlicher als bisher zu spüren bekommen. Ab 6.00 Uhr sind nach Angaben von Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm 14 000 Beschäftigte aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Am Freitag hatten sich 11 000 beteiligt, am Samstag noch 1500. Am Sonntag kündigte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dann die Ausweitung des Streiks an. Ein Grund: Streikenden sei mit Kündigung gedroht worden. Verdi reagierte damit aber auch auf Drohungen des Telekom-Chefs vom Wochenende. René Obermann hatte in einem Interview den Verkauf von Servicesparten ins Spiel gebracht. Mit diesem radikalen Schnitt, der für die Telekom-Mitarbeiter noch nachteiliger wäre als die aktuellen Umbaupläne, könne die Telekom Kosten sparen. Wie realistisch ein Verkauf ist und wer als Käufer infrage käme, sagte Obermann allerdings nicht.

Liegt der Schwerpunkt des Streiks weiter bei den Geschäftskunden?

Verdi ließ am Sonntag offen, ob auch Privatkunden stärker einbezogen werden sollen. Weil der Druck hier am größten ist, sollen vor allem Geschäftskunden wie Banken, Versicherungen und mittelständische Unternehmen getroffen werden. Indirekt könnten davon natürlich auch deren Kunden in Mitleidenschaft gezogen werden. Zum Beispiel, wenn bei einer Bank der Geldtransfer unterbrochen wird. Auch die Kunden von Wettbewerbern, die wie Versatel, Arcor, Netcologne oder Hansenet Teile des Telekom-Netzes benutzen, könnten betroffen sein.

Welche Bereiche sind besonders betroffen?

Wie am Freitag und Samstag werden vor allem der technische Kundendienst, die Callcenter sowie die Kabelnetze aus der Festnetzsparte T-Com betroffen sein. Die Telekom will aus dieser Sparte 50 000 Mitarbeiter in Servicegesellschaften auslagern, wo sie für weniger Geld länger arbeiten sollen. Wer einen neuen Telefon- oder DSL-Anschluss einrichten oder eine Störung beseitigen lassen wolle, werde in weiten Teilen Deutschlands vergeblich auf den Telekom-Techniker warten, teilte Verdi mit. Nur im Notfall, etwa wenn Krankenhäuser, Polizei oder Feuerwehr betroffen sind, werden Telekom- Techniker noch aktiv. Ansonsten streiken die Bautrupps.

Werden auch T-Punkte und das Handynetz bestreikt?

Nein. T-Punkte gehören nicht zum betroffenen T-Com-Bereich und wurden bereits ausgelagert. Auch Mobilfunkkunden müssen nicht fürchten, dass ihr Handy stumm bleibt. Bei T-Mobile gibt es eigene Tarifverträge und somit eine Friedenspflicht, die Streiks verbietet.

Wie lange dauert der Streik?

„Wir haben die gesamte Organisation hinter uns, wenn es darum geht durchzuhalten“, drohte Verdi am Freitag. Aber: Nur 70 Prozent der betroffenen Telekom-Beschäftigten sind bei Verdi organisiert. Nicht-Gewerkschafter dürfen zwar streiken, bekommen dann aber keinen Lohn. Die Gewerkschaft der Telekom-Beamten rief am Sonntag ihre Mitglieder auf, die streikenden Angestellten zu unterstützen. Zwar dürfen die Beamten nicht streiken. „Aber im Urlaub oder in der Freizeit könnten sie sogar Streikposten stehen“, sagte Willi Russ, Vorsitzender der Beamtengewerkschaft DPV-Kom, der „Welt“. Ein Ende des Streiks ist also nicht in Sicht.

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