Zeitung Heute : Kein Geld und keine Tränen

Der Tagesspiegel

Von Martina Ohm

Argentinien entwickelt sich zum Testfall für den Internationalen Währungsfonds (IWF). Seit sich die Lage dort so dramatisch zugespitzt hat, hagelt es Kritik von allen Seiten. Der Fonds, so der Vorwurf der Konservativen, habe der Führung in Buenos Aires zu lange freie Hand gelassen und zu oft Kredite in das Land gepumpt. Falsch, sagen die Linken und erklären: Mit seinen strikten Sparauflagen habe die Washingtoner Behörde das Land inmitten einer schweren Rezession getroffen und zur Eskalation der Krise maßgeblich beigetragen.

Fest steht: Der neue IWF-Chef, Horst Köhler, hat lange, womöglich zu lange gezögert. Jetzt aber ist seine Geduld zu Ende. Mehrfach hat er seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren den Südamerikanern zur Seite gestanden und mit neuen Krediten Regierenden, Banken und Investoren ein Stück weit Verantwortung abgenommen. Unausweichlich wurde ein Kurswechsel dadurch nicht. Am Ende konnte man immer noch auf den Geldsegen aus Washington zählen.

Damit soll jetzt Schluss sein. Die späte Unnachgiebigkeit Köhlers trifft die Betroffenen im ungünstigsten Moment. Doch Köhlers Botschaft ist so klar wie konsequent. Ein „Weiter so“ kann es nicht geben. Zu oft schon hat die Politik des Fonds versagt. Weder in Asien noch in Russland, Brasilien oder in der Türkei haben die Chefökonomen die Schwierigkeiten kommen sehen. Da ist es nur logisch, dass sich der IWF jetzt auf seine ursprüngliche Aufgabe zurückziehen will – vorbeugend in Aktion zu treten.

Außerdem wird durch die neue Strategie klar, dass die hausgemachten Probleme Argentiniens nur dort gelöst werden können. Neue Care-Pakete wird es also so bald nicht mehr geben. Private Geldgeber sollen mehr Risiko tragen, Regierungsverantwortliche stärker in die Pflicht genommen werden. Zur Hilfestellung steht der IWF zwar bereit, gezahlt wird aber nur, wenn ein Reformplan auf dem Tisch liegt, der das Land ohne neue Schulden wieder auf die Beine bringt.

Ein Neuanfang wäre leichter, würde sich die Staatengemeinschaft rasch auf eine Art Insolvenzrecht für Länder verständigen, das dem Schuldnerland die Option einer weitgehenden Entschuldung einräumt. Glaubwürdig kann der IWF mit seinem Strategiewechsel indes nur bleiben, wenn auch der Hauptgeldgeber Amerika mitzieht. Des Öfteren haben die USA den Beweis dafür geliefert, dass Opportunismus bei der Kreditvergabe eine Rolle spielen kann. Jetzt aber will die Bush-Regierung Reformwillen demonstrieren.

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