Zeitung Heute : „Kein Heil und keine Erlösung“

Alice Schwarzer, „Emma“-Herausgeberin

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„Ich erwarte kein Heil und keine Erlösung von dem Übel. Ein Kanzler soll keine Wunder tun, sondern seinen Job. Ich erhoffe mir allerdings, dass er uns nicht das erzählt, was wir nach Meinung seiner wechselnden Berater hören wollen – sondern das, was er richtig findet. Statt das immer knapper werdende Geld nach dem Amigoprinzip auszugießen, sollte es dahin, wo es wirklich Wachstum bringt. Warum zum Beispiel wird nicht endlich das Ehegattensplitting abgeschafft? Diese Steuervergünstigung für die Gattinnen gut verdienender Männer kostet Vater Staat Jahr für Jahr 23 Milliarden Euro – die könnten Familien mit Kindern gut gebrauchen! Und warum werden die geplanten Subventionen und Förderungen für die Wirtschaft nicht wenigstens teilweise an die Förderung tüchtiger Frauen gebunden? Die verdienen nämlich zunehmend weniger als ihre Kollegen, im Westen inzwischen 30 Prozent! Und auch der Wirtschaft mangelt es an qualifizierten Kräften und neuen Impulsen. Kurzum: Auch den Herrenprivilegien muss es endlich an den Kragen gehen. Denn es ist ja diese Männerbündelei mit ihren korrupten Strukturen – 60 Millionen Abfindung für einen Manager! – ,an der wir alle leiden.

Ich wünsche mir also eine Kanzlerrede, die innenpolitisch so konfliktfreudig und mutig ist, wie der Friedenskanzler zur Zeit außenpolitisch ist.“

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