Zeitung Heute : Kein Osterhase, ein Eierdieb

Der Tagesspiegel

Fleißig hatte er eingesammelt, was Kindern Freude macht: Überraschungseier. Doch weil er der Tischler Peter H. ist und nicht etwa der Osterhase, nahm die Sache mit den 18 Eiern in seinen Hosentaschen für den 51-Jährigen einen höchst unangenehmen Verlauf. Gestern war Peter H. im Amtsgericht Tiergarten der Beweis dafür, dass es ihn noch gibt, den sprichwörtlichen Eierdieb.

Der falsche Osterhase ließ auf der harten Anklagebank den Kopf hängen. „Ihr habt kein Herz für Kinder“, hatte er damals gerufen, als er geschnappt wurde, und seine Beute vehement verteidigt. Vor dem Richter war er jetzt ganz einfach der ruhige Tischler. Damals sei er von einer Wohnungseinweihung gekommen, meinte H. Nicht hoppelnd, sondern schwankend ging er in einen Verbrauchermarkt in der Invalidenstraße in Mitte.

„Ich muss die Sachen eingesteckt haben, zum Bezahlen war es dann wohl zu spät.“ Geschickt und vorsichtig hatte er ein Ei zum anderen gepackt, ohne dass eines kaputt ging. Er ist eben Handwerker. Die böse Überraschung aber kam in Gestalt des Ladendetektivs. Peter H. sollte seine prall gefüllten Taschen leeren. Doch der Eierdieb gab nicht auf. Selbst gegenüber der Polizei nicht. „Mit ihm war nicht zu reden“, erinnerte sich einer der Beamten. Als der Langfinger zum Schlag ausholte, wurde er überwältigt und ging zu Boden. Das Chaos nahm seinen Lauf und griff auf die Beute über. Im Versteck knackte und knirschte es. Dass der Eierdieb überhaupt in der Lage gewesen wäre, Kinder zu erfreuen, darf allerdings bezweifelt werden: Peter H. hatte es an jenem späten Vormittag bereits auf 3,68 Promille Alkohol im Blut gebracht. „Mir tut die Sache mit den Eiern sehr leid, ich muss das Trinken sein lassen“, zeigte er sich nun reuig.

Da nickte der Richter und machte dem Angeklagten mit den grauen Schläfen Mut. „Sie sind doch eigentlich ein ruhiger Bürger. Es ist kaum verständlich, dass Sie sich mit Überraschungseiern beladen und eine Prügelei mit Polizisten anfangen.“ Doch Strafe muss sein. Wegen Vollrausches wurde Peter H. zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt. Dafür hätte er sich etwa 2000 Überraschungseier kaufen können. Höflich verabschiedete sich der Eierdieb. Das derzeit überall zu hörende „Frohe Ostern“ aber verkniff er sich. Kerstin Gehrke

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