Zeitung Heute : Kein Schutz vor indizierten Inhalten

So genannte Filtersoftware bietet nach einer Studie kaum Schutz vor Jugend gefährdenden Internet-Angeboten. Ein Test von vier Programmen, die bislang ausschließlich in den USA hergestellt werden, habe zu "absolut unbefriedigenden" Ergebnissen geführt, erklärte der geschäftsführende Referent der brandenburgischen "Aktion Kinder- und Jugendschutz", Klaus Hinze, am Donnerstag. Die Filter ließen rechtsradikale und Gewalt verherrlichende Angebote "problemlos durch", während Seiten seriöser Anbieter häufig "verstümmelt" würden.

Hinze unterstrich, das Internet entwickle sich mehr und mehr zu einem "Jugend gefährdenden" Ort. Schätzungen zufolge gebe es derzeit allein bis zu 150 Millionen Webseiten mit pornografischen Inhalten. Nähere Angaben dazu, wie diese Zahlen zustande kamen, nannte Hinze nicht. Bereits in der Vergangenheit hatte es aber schon massive Kritik unter anderem am Kinderschutzbund gegeben, der mit vagen Schätzungen weit über das Ziel hinausgeschossen war.

Die Filterprogramme als "rein technische Lösungsversuche" könnten die Begleitung von Kindern und Jugendlichen durch Eltern und Lehrer nicht ersetzen. Deshalb müsse vorrangig die Kompetenz im Umgang mit dem Internet gestärkt werden. Zugleich forderte Hinze eine "Positiv-Liste" mit kinder- und jugendgemäßen Angeboten, die den Einstieg in ein "kinderfreundliches Web" ermöglichen. Die deutsche Software-Industrie solle eigene Programme entwickeln, die den "rechtlichen und kulturellen Werten" der Bundesrepublik Rechnung tragen. An die Freiwillige Selbstkontrolle der Multimedia-Anbieter appellierte er, eine sinnvolle Kennzeichnung von Internet-Angeboten durchzusetzen, um ihre Einschätzung zu erleichtern. An der "Aktion Jugendschutz" sind unter anderem das Diakonische Werk, die Caritas und der Landesjugendring Brandenburg beteiligt.

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