Zeitung Heute : Keine Geldfrage

Der Tagesspiegel

Die akute Finanzkrise der Kirch-Gruppe beschäftigt zunehmend auch die öffentlich-rechtliche Sender. Vor allem in der ARD werden Planspiele angestellt, ob nicht weitere Übertragungsrechte für den Fußball bei Leo Kirch gekauft werden könnten. Namentlich den Münchener Repräsentanten des Senderverbunds, BR-Intendant Thomas Gruber und ARD-Programmdirektor Günter Struve, werden Sondierungsgespräche mit Vertretern der Kirch-Gruppe nachgesagt. Beide arbeiten in der Nähe des Münchener Hauptbahnhofes, gar nicht weit entfernt von Unterföhring. wo das Medienunternehmen sitzt.

Die Überlegungen der ARD beziehen sich auf die Fußball-WM 2002 und 2006 sowie die Fußball-Bundesliga. Für das anstehende Turnier in Japan und Südkorea haben ARD und ZDF die TV-Rechte für 24 Spiele gekauft, darunter für alle Partien der deutschen Nationalmannschaft, für die Halbfinnals, das Eröffnungsspiel und das Finale. Kostenpunkt: rund 130 Millionen Euro. An mehr Spielen scheinen die öffentlich-rechtlichen Sender nicht interessiert. Die Anstoßzeiten gelten als wenig attraktiv.

Zielpunkt der Planspiele ist die WM 2006 in Deutschland. Auch hier wollen die öffentlich-rechtlichen Sender bislang 24 Partien übertragen, der Rest soll bei Kirchs Pay-TV-Sender Premiere World laufen. Existiert dieses defizitäre Abo-Fernsehen 2006 überhaupt noch? Das ist so ungewiss wie Kirchs Liquiditätsprobleme gewiss sind. Die ARD-Überlegungen gehen dahin, noch vor dem eigentlichen Verhandlungstermin 2003 mit Kirch ins Gespräch zu kommen: Mehr Spiele, vielleicht sogar alle 64 Partien der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Die ARD ist liquide, vor wenigen Wochen erst hat ihr die KEF einen Überschuss von rund 700 Millionen Euro in der Gebührenperiode bis 2004 ausgerechnet.

In ARD-Kreisen wird auch über ein Paket nachgedacht: mehr WM-Spiele und mehr Bundesliga-Berichterstattung. Derzeit dürfen die ARD-Sender erst nach 20 Uhr Bewegtbilder eines Spieltages zeigen. Damit liegt die ARD hinter der „ran“-Bundesligashow bei Sat 1 und den „heute“-Nachrichten“ des ZDF. Zwei Varianten des ARD-Ausbaus werden in München diskutiert: Früher als bisher dürfen die jeweiligen Landesrundfunkanstalten über Vereine der jeweiligen Region berichten. Dann würde der SFB weit vor 20 Uhr über Partien von Hertha BSC berichten, der ORB über Begegnungen von Energie Cottbus. Variante zwei: eine Art „Flashblock“ mit Bildern kurz nach 18 Uhr, entweder in der „Sportschau“ oder in der „Tagesschau“. Was das ZDF zu all dem sagt, sagte Sprecher Philipp Baum dem Tagesspiegel: „Für solche Überlegungen besteht beim ZDF kein finanzieller Spielraum.“

Joachim Huber

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