Zeitung Heute : „Keine Kompromisse“

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Es wird über ein Alkoholverbot für Fahranfänger diskutiert. Gäbe es dann weniger Unfälle, Herr AllhoffCramer?

Es wäre zumindest das richtige Signal. Für die jungen Autofahrer gäbe es eine klare Regelung, die verständlich wäre und die verdeutlichen würde, dass es beim Alkoholkonsum keine Kompromisse geben darf. Es könnte allerdings sein, dass sich eine Null-Promille-Grenze nicht unmittelbar auf die Unfallzahlen auswirkt. Denn es ist umstritten, ob unterhalb von 0,3 Promille eine nachweisbare Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit besteht.

Kann jungen Menschen vermittelt werden, warum für sie Grenzen gelten sollen, die für ältere Autofahrer keine Rolle mehr spielen?

Das ist schwer vermittelbar. Die Diskussion um die Altersgrenze wird sicher weitergehen. Aber es ist der erste richtige Schritt. Im Grunde ist die 0,5-Promille-Grenze nicht eine Verbotsgrenze, sondern eine Erlaubnisgrenze für Alkohol in geringen Mengen. Ein Alkoholverbot dagegen wäre ein klares Signal an die Beifahrer, dass sie sehr viel bewusster darauf achten, ob der Fahrer überhaupt Alkohol getrunken hat.

Reicht der vorliegende Gesetzentwurf aus?

Nein, es gibt eine Schwachstelle. Bis zur Grenze von 0,5 Promille sollen Alkoholdelikte nur als Ordnungswidrigkeit gelten. Damit ist der Entwurf nicht klar genug: Er verbietet auf der einen Seite etwas und setzt dies andererseits nicht richtig durch. Es fehlen auch gute fachliche Hilfestellungen, etwa durch Teilnahme an einem speziellen verkehrspsychologischen Aufbauseminar für alkoholauffällige Autofahrer.

Welche Rolle spielt Alkoholkonsum im Leben von Fahranfängern?

Leider eine zunehmend wichtigere. Jugendliche gehen inzwischen unbefangener mit Alkohol um, die Bedeutung der Alcopops nimmt zu. Wir in der Praxis erleben häufiger, dass schon in jungen Jahren schwerwiegende Suchtfälle auftreten.

Kann eine Null-Promille-Grenze überhaupt ausreichend kontrolliert werden?

Die Polizei kontrolliert in bedeutendem Umfang, aber insgesamt zu wenig. Das zeigt ja auch die Dunkelziffer. Auf einen kontrollierten Fall von Alkohol am Steuer kommen rund 500 unentdeckte Fälle. Es sollte deshalb mehr kontrolliert werden. Sonst ist die Regelung sinnlos.

Adalbert Allhoff-Cramer ist Vorsitzender der Sektion Verkehrspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen.

Das Gespräch führte Fabian Leber.

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