Zeitung Heute : Keine Kontrolle

Die sechs wichtigsten Fragen

NAME

Wie funktioniert das Bonussystem der Lufthansa mit dem Bundestag?

Seit 1997 sind Bundestagsabgeordnete verpflichtet, dienstlich veranlasste Bonusmeilen auch nur dienstlich zu nutzen, um die Reisekasse des Bundestages zu entlasten. „Aber es halten sich nicht alle Abgeordneten daran“, sagte eine Sprecherin des Bundestags. Dienstreisen werden nur unter der Voraussetzung genehmigt, dass die Abgeordneten Bonusmeilen in Anspruch nehmen.

Wie kontrolliert die Verwaltung die Abgeordneten?

Sie sieht keine Möglichkeit, die Bonusmeilen-Konten zu kontrollieren, da diese als individuelle Prämienkonten bei der Lufthansa geführt werden.

Woher bekommt die Verwaltung ihre Informationen?

Sie ist bei der Verbuchung der Bonusmeilen auf die Angaben der Abgeordneten angewiesen. Wer seine Dienst- und Mandatsreisen über die Reisestelle des Bundestages bucht, muss den Zugriff auf sein Prämienkonto ermöglichen. Das geschieht elektronisch, indem der Abgeordnete seinen PIN-Code bei der Lufthansa mitteilt, oder auf Papier. Auch bei der Abrechnung der Reisekosten sind die Abgeordneten verpflichtet, den Stand ihrer Bonusmeilen-Konten mitzuteilen. Dienst- und Privatreisen sind auf diesem Konto nicht getrennt erfasst. Würden die Abgeordneten der Reisekasse allerdings auch ihre jeweiligen Privatflüge mitteilen, dann wäre eine getrennte Erfassung möglich.

Wie kam es zu der Vereinbarung des Bundestages mit der Lufthansa?

Die Lufthansa selbst ist Mitte der 90er Jahre auf die Bundestags-Verwaltung zugegangen. Ehemalige Ältestenrat-Mitglieder erinnern sich, dass die Lufthansa verärgert darüber gewesen sei, dass vor allem Ausschuss-Mitglieder mit anderen, billigeren Anbietern geflogen seien, was wiederum mit dem engen Reisebudgets der Sachausschüsse zu tun hatte. Der Bundestag wollte, dass die Lufthansa das „Vielflieger-Programm“ nicht individuell abrechnet, sondern mit der Verwaltung, was die Lufthansa bis heute ablehnt.

Was sagt die Lufthansa?

Das Unternehmen weist die Vorwürfe von Politikern zurück, die Fluggesellschaft habe dem Missbrauch von Bonusmeilen Vorschub geleistet. Die Daten der Teilnehmer werden bei Miles & More unbegrenzt gespeichert. Mitarbeiter des Vielfliegerprogramms werden auf den Datenschutz verpflichtet. Dass dennoch Informationen über Flüge nach außen gelangen können, sei „theoretisch immer denkbar“, sagt Lufthansa-Sprecherin Amelie Lorenz.

Was heißt Bonusprogramm?

Seit 1993 erhalten Lufthansa-Passagiere für Flüge je nach Klasse die einfache bis dreifache Meilenzahl gutgeschrieben. „Meilen“ gibt es nicht nur für Übernachtungen in bestimmten Hotels und die Reservierung von Mietwagen, sondern selbst für ein Abonnement der Zeitung „Welt“ und eine Probefahrt mit dem Audi TT. du-/m.m./ale

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar