Zeitung Heute : Keine Rettung für Schlecker

Brüderle sieht Mitschuld bei Gewerkschaften.

Berlin - Monatelang hat sich Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz um einen Großinvestor für die Drogeriekette Schlecker bemüht. Am Freitagmittag war dann klar: Für das Unternehmen aus dem baden- württembergischen Ehingen, einst die Nummer eins der Branche, gibt es keine Rettung mehr. Die Investorenkonzepte hätten die Gläubiger nicht überzeugt, sagte Geiwitz nach einer Versammlung der Betriebsräte in Berlin.

Den 13 400 Mitarbeitern droht nun die Kündigung. Mehr als 2000 der 3200 Märkte werden voraussichtlich Ende Juni geschlossen. Für die übrigen könnte es noch Käufer geben. In Berlin hatte das Unternehmen ursprünglich 186 Filialen. Einer ersten Schließungswelle im Frühjahr fielen 85 Geschäfte zum Opfer.

Zuletzt gab es für die Kette nach Angaben des Insolvenzverwalters noch zwei ernsthafte Investoren. Einer von ihnen war der Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen, dem das Geschäft dann aber offenbar doch zu heikel erschien. Arbeitnehmervertreter reagierten geschockt auf das endgültige Aus. „Das ist eine absolute Hiobsbotschaft und eine menschliche und soziale Katastrophe“, sagte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Christel Hoffmann. Verdi-Chef Frank Bsirske kritisierte, dass die Weigerung insbesondere der FDP zu staatlichen Bürgschaften Ende März die Suche nach Investoren massiv behindert habe. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sprach den Schlecker-Beschäftigten sein Mitgefühl aus. „Wir haben Verständnis für die Sorgen und Nöte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Schlecker“, sagte er dem Tagesspiegel. Zugleich gab er den Gewerkschaften eine Mitschuld am Scheitern. Sie hätten „mit ihren wiederholten Aufrufen zum Käuferstreik bei Schlecker dazu beigetragen, dass die Marktposition von Schlecker gegenüber den Mitbewerbern geschwächt wird“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte an, die Agentur für Arbeit werde sich um entlassene Mitarbeiter kümmern. „Wir müssen die Entscheidung zur Kenntnis nehmen, die die Gläubiger gefällt haben“, sagte die Kanzlerin. Tsp

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