Zeitung Heute : Keine Sorge vor dem Altern

Welche Schulungen erfahrene Mitarbeiter brauchen

Anne Meyer
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Die richtige Technik. Computerkurse sind für Ältere besonders sinnvoll. Foto: ddp

Weniger Arbeit bedeutet mehr Zeit für die Weiterbildung: Das hat sich zumindest das Bundesarbeitsministerium gedacht und die Arbeitsagentur beauftragt, besondere Angebote für das Krisenjahr 2009 auszuarbeiten. „In Berlin ist es noch nicht wie in Baden-Württemberg, wo schon viele Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt wurden“, sagt Erik Benkendorf von der Berliner Arbeitsagentur. Sollte es jedoch zu Stellenstreichungen kommen, könnten viele ältere Beschäftigte betroffen sein. Damit sie bei ihren Unternehmen bleiben und, falls sie doch ihre Arbeit verlieren, schnell wieder einen neuen Job finden, fördert die Arbeitsagentur schon seit 2007 die Weiterbildung gering qualifizierter und älterer Arbeitnehmer mit dem WeGebAu-Programm.

Beispiel: Eine 55-jährige Frau arbeitet im Sekretariat und erledigt oft auch betriebswirtschaftliche Arbeiten, für die sie aber keine Ausbildung hat. Sie braucht zusätzlich Unterstützung vom Staat, weil sie eine Familie zu versorgen hat und ihr Gehalt nicht für alle ausreicht. „Wenn diese Frau sich entschließt, ein Wirtschaftszertifikat zu erlangen, kann die Arbeitsagentur das fördern, indem sie beispielsweise die Prüfungskosten übernimmt“, so Benkendorf. Schließlich wird die Beschäftigte nach der Weiterbildung mehr verdienen, die Familie wäre nicht mehr auf Hartz IV angewiesen. Falls sie gekündigt wird, hat sie Chancen, schnell etwas Neues zu finden. Die Weiterbildung muss aber natürlich mit dem Arbeitgeber vorher abgesprochen werden.

Was aber sollen Ältere tun, die ihre Arbeit bereits verloren haben? „Sinnvoll ist es, sich in den Branchen weiterzubilden, die gerade viel Personal einstellen“, so Benkendorf. Das geschieht vor allem im Dienstleistungssektor, also im Einzelhandel, in der Gastronomie, im Sicherheitsgewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in Erziehung und Unterricht. „Im Einzelhandel und im Gesundheitswesen kann es von Nutzen sein, seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen.“ EDV-Kenntnisse würden in allen Branchen gebraucht. Wer sich mit dem Computer gar nicht auskennt, sollte sich zumindest ein paar Grundkenntnisse verschaffen.

Sich noch einmal auf die Schulbank zu setzen, widerstrebt den Älteren jedoch häufig. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen stellen ältere Beschäftigte eine Randgruppe in der Weiterbildung dar. Nur knapp jeder Fünfte der 50- bis 64-Jährigen nimmt innerhalb eines Jahres an beruflicher Weiterbildung teil. Bei den jüngeren Kollegen ist es immerhin fast jeder Dritte. Spezielle Weiterbildungsangebote für Ältere gibt es bislang selten. „Wenn es darum geht, berufliche Perspektiven für die zweite Berufshälfte zu erschließen oder auf eine neue Berufsrolle vorzubereiten, können spezielle Angebote jedoch sinnvoll sein“, sagt Hildegard Zimmermann vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Ihre Empfehlung an Ältere lautet, Seminare zu belegen, die den beruflichen Standort bestimmen oder auf Berater- oder Mentorentätigkeiten vorbereiten.

Außerdem haben ältere Beschäftigte im Gegensatz zu jüngeren einen anderen Nachholbedarf. Viele Personaler schätzen die Zuverlässigkeit, Arbeitsmoral und das Qualitätsbewusstsein erfahrener Arbeitnehmer und stufen ihre sozialen Kompetenzen hoch ein. Neben den Soft Skills nannten die Unternehmen auch, dass sie an Fremdsprachenausbildung für Ältere kein besonderes Interesse haben. „Besonderer Qualifizierungsbedarf wird am ehesten bei Informations- und Kommunikationstechnologien gesehen“, so Zimmermann. Es wäre für einen erfahrenen Arbeitnehmer also nicht besonders hilfreich, ausgerechnet einen Englischkurs zu belegen. Ein Seminar im Umgang mit Computersoftware würde sich im Zweifelsfall dagegen besser im Lebenslauf machen. Anne Meyer

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