Zeitung Heute : „Keine Wischi-Waschi-Regelung beim Rauchverbot“

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Die Koalition diskutiert über ein Rauchverbot für Eltern. Muss man Vätern und Müttern verbieten, im Auto zu rauchen, wenn ihre Kinder dabei sind, Frau Höhn?

Rauchende Eltern im Auto sind für die Gesundheit von Kindern in jedem Fall schlecht. Deshalb müssen wir es schaffen, dass in Autos nicht mehr geraucht wird, wenn Kinder dabei sind.

Per Verbot?

Ich bin eigentlich dafür, dass man auf Information, Überzeugung und Einsicht setzt, wenn es um den privaten Bereich geht. Aber es ist eben keine reine Privatsache, wenn Eltern ihre Kinder vollqualmen. Es gibt ja auch die Anschnallpflicht für Autofahrer. Ich halte es für sinnvoll, ein gesetzliches Rauchverbot im Auto zum Schutz von Kindern zu prüfen.

Gibt es gesicherte Informationen über die gesundheitlichen Schäden, die das Rauchen im Auto bei Kindern verursacht?

Alle Fachleute sagen, das Passivrauchen gesundheitsschädlich ist - vor allem auf engem Raum. Das weiß übrigens jeder aus eigenem Erleben. Fragen Sie zum Beispiel mal eine Schwangere, wie es ihr geht, wenn sie in einen stark verrauchten Bereich kommt.

Halten Sie ein Rauchverbot zum Schutz von Kindern in Autos für realistisch? Die große Koalition hat ja schon Schwierigkeiten, sich auf weniger weitgehende Regeln für den allgemeinen Nichtraucherschutz zu einigen.

Ich bin zu wenig Juristin, um zu beurteilen, ob ein solches Gesetz machbar ist, aber wir sollten es prüfen. Was die politische Durchsetzbarkeit anbelangt, ist Vorraussetzung, dass wir zuerst eine konsequente Regelung zum Nichtraucherschutz für den öffentlichen Raum brauchen. Denn die Menschen werden ein Rauchverbot im Auto auf keinen Fall akzeptieren, wenn wir es beim Nichtraucherschutz in der Gastronomie bei Wischi-Waschi-Regelungen belassen. Niemand wird verstehen, wenn es verboten wird, im Auto zu rauchen, es aber erlaubt bleibt, Kinder in Restaurants und Cafes vollzuqualmen. An dieser Stelle ist die große Koalition in der Pflicht. Wir brauchen ein striktes Rauchverbot in der Gastronomie, auch in Bars und Diskotheken.

Ist es nicht eher so, dass ein Rauchverbot zum Kinderschutz in Autos eher auf Verständnis stoßen dürfte, als ein Rauchverbot in der Eckkneipe?

Was ist mit einer Schwangeren, die in die Eckkneipe geht? Wenn man anfängt, in der Gastronomie dauernd Ausnahmen zu machen, dann gibt es am Ende keine klare Regelung. Klare Regeln sind aber die Voraussetzung für Akzeptanz in der Bevölkerung. Je mehr Ausnahmen gemacht werden, das wissen wir aus anderen Ländern, umso weniger werden Rauchverbote beachtet. Das Rauchen in der Gastronomie gehört auch wegen der Gefährdung der Beschäftigten strikt verboten. Die Mitarbeiter sind dem Rauch unentwegt ausgesetzt und haben deshalb ein erheblich höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Einer englischen Studie zufolge liegt dieses Risiko 50 Prozent über dem Durchschnitt. In Deutschland arbeiten immerhin eine Million Menschen in der Gastronomie. Sie müssen geschützt werden.

Bärbel Höhn war bis 2005 Verbraucherschutzministerin in NRW und ist nun stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag. Mit ihr sprach Stephan Haselberger.

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