Zeitung Heute : Keine zweite Chance für den ersten Eindruck

REGINA KÖTHE

Sie sind auf dem Weg zu einem wichtigen Termin.Plötzlich werden sie unruhig: Auf dem Hemd ist ja ein Fleck, die Schuhe sind nicht geputzt und außerdem haben sie ihre Visitenkarten vergessen.Eine schlechte Ausgangsposition, denn der erste Eindruck - der zwischen drei und sieben Sekunden dauert - ist die Weichenstellung für den weiteren Verlauf einer Begegnung.Der berühmte "erste Eindruck" wird zu 60 Prozent vom visuellen Erleben, das heißt von der äußeren Erscheinung, bestimmt.Der Fleck auf dem Hemd kann im Zweifelsfalle das einzige sein, was dem Gegenüber nach einem Treffen im Gedächtnis haften bleibt.Das zumindest behaupten Gabriele Cerwinka und Gabriele Schranz, die Autorinnen des jetzt erschienenen Buches "Die Macht des ersten Eindrucks".

An zweiter Stelle folgt die Wahrnehmung der Stimme mit 33 Prozent und nur sieben Prozent werden durch den Inhalt der Worte bestimmt.Ein positiver "Einstieg" in ein Gespräch - egal ob Verhandlung oder Bewerbung - hat Signalwirkung.So soll das Buch ein Helfer sein, um den ersten Eindruck professionell zu gestalten: "Verkaufen Sie sich vom ersten Augenblick an gut" oder "Planen Sie ein Schriftstück gewissenhaft", lauten ihre praktischen Tips.Auf klassische Fehler wie den zu weichen Händedruck, den falsch geschriebenen Namen oder fehlenden Titel im Briefkopf wird hingewiesen.

Ein stimmiges Erscheinungsbild, daß sich aus Körpersprache, Kleidung und passenden Accessoires aufbaut, setzt wichtige Signale und nimmt deshalb im Buch großen Raum ein.Danach folgen Hinweise zu Gesprächsführung und zur Kontaktaufnahme per Brief, Telefon und E-Mail.Das Themenspektrum der optimalen Präsentation reicht von der Begrüßung über den ersten Satz bis zum aktiven Zuhören.

Situationen aktiv zu gestalten und sie gezielt vorzubereiten, ist das allen Tips zugrunde liegende Muster.Das ist gewiß hilfreich und unterstützend, aber leider fehlen vertiefende Hilfestellungen oder Hinweise auf andere Ratgeber oder Trainingsmöglichkeiten.So hält der positive "erste Eindruck" des Buches einer Lektüre nur bedingt stand, weil die Ratschläge oft beliebig wirken und wenig aufeinander aufbauen.Als Einstieg in das Thema und zum entspannten Querlesen und Blättern ein interessantes Buch, das mit dem versöhnlichen Rat endet: "Geben Sie sich und Ihren Mitmenschen auch eine zweite Chance."

Gabriele Cerwinka / Gabriele Schranz, Die Macht des ersten Eindrucks, Überreuter Verlag, 1998, 24 Mark 80.

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