Zeitung Heute : KENNEN SIE SCHON ...

BROTFABRIK CALIGARIPLATZ

„Kunst ist Lebensmittel“ prangt an der Brotfabrik am Caligariplatz, ein schöner Grundversorgungsgedanke. Nils Förster, der seit gut einem Jahr die Bühne des Hauses leitet, verkörpert ihn. Voll Begeisterung erzählt er von seinen im besten Sinne bescheidenen Anfänge an einem Braunschweiger Kinder- und Jugendhaus mit Namen „Theaterspielplatz“, wo er Scheinwerfer hängte, das Bühnenbild aufbaute, den Putzdienst übernahm und auch mal für Garderobe oder Getränke zuständig war. Dort, sagt Förster, habe er „das Theaterlaufen gelernt“. Später studierte er angewandte Kulturwissenschaften, im Anschluss fand er eine Stelle als Theaterpädagoge in Sachsen-Anhalt, bis ihn private Gründe nach Berlin zogen. Okay, sagte er sich, in der Stadt sitzen zwar schon zu viele arbeitslose Theaterleute herum, aber es gibt eben auch viele Möglichkeiten. Der Zufall kam ihm entgegen, der damalige Leiter der Brotfabrik-Bühne, als dessen unbezahlter Assistent er gearbeitet hatte, wollte aufhören, man bot Förster die Stelle an. Schon immer hätten ihn Projekte interessiert, die den Dialog zwischen verschiedenen Kunstsprachen fänden, und da sei die Brotfabrik mit Kino und Galerie ein ideales Biotop, zudem hat Förster eine Kooperation mit der nahen Kunsthochschule Weißensee angebahnt. Der spartenübergreifende Gedanke bestimmt den Spielplan: Es gibt feste Kooperationen mit Gruppen wie „Nightmare before Valentine“, Kinder- und Jugendtheater, soziokulturelle Projekte.

Genre: Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, Performance

Plätze: 60

Kontakt: Prenzlauer Promenade 3, 13086 Berlin, Tel.: 471 4001

www.brotfabrik-berlin.de

ROUTE 4

CAFE THEATER SCHALOTTE

Mitte der 70er Jahre schloss hier das Kino Baldur. Danach zog für einige Zeit, zunächst unbemerkt, eine Sekte ein. Der Spuk ist Gottlob lange vorüber, seit fast 30 Jahren nun wird hier die „Schalotte“ betrieben, ehrenamtlich. Der Name spielt, klar, mit dem Charlottenburger Kiez, verweist aber auch auf die scharfen, links-kabarettistischen Anfänge dieser Kultur- und Begegnungsstätte unter dem Dach des evangelischen Kirchenkreises. Christian Retzlaff, von Hause aus Journalist und seit 1988 in der „Schalotte“ engagiert, erzählt, das Haus habe sich im Laufe der Zeit von einem Café mit Theaterraum immer mehr zu einem Theater mit Caféfoyer gewandelt. Der programmatische Schwerpunkt ist heute die Musik: Neben klassischem Boogie, beispielsweise, ist seit 13 Jahren hier höchst erfolgreich ein Acapella-Festival beheimatet, auch ein Chorfestival versuchen die „Schalotte“-Betreiber gerade auf die Beine zu stellen. Außerdem sind hier die „O-Ton-Piraten“ zuhause. Überhaupt ist schwul-lesbische Kunst eine weitere Programmsäule. Einen künstlerischen Leiter hat das Haus nicht, „die höchste Instanz zwischen zwei Parteitagen ist die Teamsitzung“, erzählt Retzlaff lächelnd, dort werde entschieden, welche Gruppen auftreten dürfen.

Genre: Playback-Theater, Musik

Plätze: 320

Kontakt: Behaimstr. 22, 10585 Berlin, Tel.: 341 14 85. www.schalotte.de

Route 6

DAS WEITE THEATER

Die Frau hat eine beachtliche Reise hinter sich. Ihre Bühne auch. „Ich habe einen ordentlichen Beruf gelernt“, erzählt Irene Winter, die künstlerische Leiterin des „Weiten Theaters“, und lacht. Sie war angestellt im Rechenzentrum der Humboldt Universität, als Facharbeiterin für Datenverarbeitung. Einige der wissenschaftlichen Mitarbeiter betrieben dort ein Amateurpuppenspiel, und irgendwann wurde sie gefragt, ob sie nicht Lust hätte, kurzfristig einzuspringen. Sie hatte. Und war auf Anhieb so gut, dass während eines Auftritts der damalige Leiter der Abteilung Puppenspiel der Ernst Busch Schule auf sie aufmerksam wurde und sie drängte, sich an seinem Institut zu bewerben. So kam Irene Winter zu ihrer zweiten Ausbildung, nach deren Abschluss sie ans staatliche Puppentheater Berlin engagiert wurde. Als das Renommee-Haus nach der Wende schließen musste, packten sie und ein paar Mitstreiter kurzerhand einen Wagen voll Equipment und gründeten, sehr erfolgreich, „Das weite Theater“ in Hellersdorf. Weit draußen gelegen, mit breitem Programmspektrum, daher der Name. Bloß gingen dem Bezirk die Kulturmittel aus. Und so kehrte man zu den Wurzeln zurück. Seit 2003 nutzt „Das weite Theater“ als autonome Einrichtung einen Saal der Ernst-Busch-Abteilung für Puppenspiel. Und steht für ein höchst anspruchsvolles Kinder- und Erwachsenenprogramm. Für Figuren-Adaptionen von Brechts „Dreigroschenoper“ oder Shakespeares „Sturm“ ebenso, wie für Märchen, die den Kindern in modernem Gewand erzählt werden.

Genre: Puppen- und Figurentheater

Plätze: 99

Kontakt: Parkaue 23, 10367 Berlin,

Tel.: 991 79 21

www.das-weite-theater.de

Route 2

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