Zeitung Heute : KENNEN SIE SCHON ...

EIGENREICH

Das Haus in einem Hinterhof der Greifswalder Straße ist ursprünglich als Tabakfabrik gebaut worden, der Architekt des Gebäudes, Glashaus genannt, war kein Geringerer als der Sohn von Sigmund Freud, Ernst Ludwig. Nach dem Krieg wurde hier Kleidung für die NVA genäht, später war dort der VEB Trendmodelle beheimatet. Und nach der Wende schließlich verwandelte sich der Komplex in einen Künstlerort voller Ateliers, der in dieser Form allerdings auch schon nicht mehr existiert. Vor vier Jahren zog hier ein Kollektiv von Theatermachern ein, die einen Verein gegründet hatten, um den etablierten Strukturen zu entkommen. Nicht wenige der Gründungsmitglieder, wie die künstlerische Leiterin Verena Drosner oder die Schauspielerin Antje Trautmann, entstammen dem Umfeld der Ernst Busch Schule und trafen sich in ihrer Leidenschaft, unabhängig ihre Ideen verwirklichen zu können. Aus dem „Eigenreich“-Programm, einer Mischung aus Gastspielen und Eigenproduktionen, ließe sich dabei keine simple Linie herauslesen, findet Drosner. „Was jedes Stück versucht, ist eine Aussage über Lebenswirklichkeit zu treffen.“ Gerade erschließen sie sich die Eigenreichler einen größeren Bühnenraum, der schon einmal für die Erfolgsproduktion „The Waste Land“ genutzt wurde, als Hauptspielstätte.

Genre: Schauspiel

Plätze: 99

Kontakt: Greifswalder Str. 212/213, 10405 Berlin, Tel.: 0162 1509298,

www.eigenreich-berlin.de

Route 4

GALLI THEATER

„Ich wusste nicht, auf welche Rolle im Leben ich mich spezialisieren sollte“, erzählt Andrea Weber. Ärztin wollte sie werden, Germanistik hat sie studiert, doch dann entdeckte sie die Bühne für sich, wo sie alles sein durfte. Ihr Erweckungserlebnis hatte sie in Freiburg, in einem Workshop von Johannes Galli. Dieser ehemalige Straßenclown ist der Gründer des ersten Galli-Theaters, von dem mittlerweile etliche Filialen in ganz Deutschland existieren. Andrea Weber leitet seit zwei Jahren die Berliner Dependance. In den Häusern werden Stücke gespielt, die Johannes Galli nicht am Schreibtisch, sondern auf der Bühne mit Spielern aus dem Moment heraus erarbeitet, anschließend wird die Fassung ins Reine gebracht, schließlich nehmen die interessierten Galli-Theater sie ins Programm. „Da gibt es keine Rollen, in die ich mich verbiegen muss, sondern es wird geschaut: Was will ich spielen, was bringt mir etwas?“, schwärmt Weber. Im Galli-Repertoire sind Clowntheater und Märchen für Kinder, außerdem englisches Theater und ein Abendprogramm, in dem es meist um das Thema Männer, Frauen und ihre Probleme geht, „sehr humorvoll, aber mit Tiefgang“, wie Weber betont. Eine weitere Schiene ist das Präventionstheater, da werden Themen wie Drogensucht und Gewalt an Schulen verhandelt, auch ein Stück über den Amoklauf von Winnenden hat Johannes Galli unlängst erarbeitet.

Genre: Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, englisches Theater

Plätze: 99

Kontakt: Oranienburger Str. 32, 10117 Berlin, Tel.: 275 96 971. www.galli.de

Route 1

UFA FABRIK

Alles hat hier mit dem Film begonnen. Auch Rudolf Brünger hat Kinoerfahrung, zehn Jahre lang war er für das Filmprogramm der „ufa Fabrik“ verantwortlich, mittlerweile leitet er die Bühnen dieses soziokulturellen Zentrums in Tempelhof. Mitte der 70er Jahre machten die Studios hier dicht, danach stand das Areal eine Weile leer. Brünger zählt zu einer Gründergeneration von linken Kulturpionieren, die über befreundete Musiker, die dort probten, auf das Gelände aufmerksam wurden. Es folgte die wohl friedlichste Häuser-Besetzung in der Geschichte Berlins: Für eine lokale Fernsehsendung inszenierte das Aufbruchsteam einen Doku-Beitrag, der dank geschickten Schnitts vorgaukelte, hier werde schon seit Jahren Kulturprogramm gemacht. Abends kam eine Polizeistreife vorbei: „Wir haben gerade in der Abendschau gesehen, was Sie hier machen, viel Glück!“ Der Fake schuf Fakten, bald schon hatte man einen legalen Mietvertrag in der Tasche. Ein Schwerpunkt war von Beginn an das Kabarett, Gruppen wie die „Drei Tornados“ haben hier ihre Wurzeln, heute ist das internationale Programm um Musik, Comedy, Tanz und Schauspiel gewachsen, zudem gibt es dutzende Kursangebote. Wichtig ist Brünger auch das Zusammenspiel der Generationen, wie etwa im Stück „Paradise 09“: In diese britische Produktion mischen sich nun Berliner Stimmen von Jungen und Alten unterschiedlichster Herkunft, die erzählen, was sie sich unter dem Paradies vorstellen.

Genre: Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, Musik, Tanz

Plätze: Drei Säle mit 80, 170 und 320 Plätzen

Kontakt: Viktoriastr. 10-18, 12105 Berlin . Tel.: 755 03 -0

www.ufafabrik.de

U-Bahn-Linie 6

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