Zeitung Heute : KENNEN SIE SCHON ...

JÜDISCHES THEATER BIMAH

Warum ausgerechnet Neukölln? Das wird Dan Lahav immer gefragt. „Warum nicht Neukölln?“, entgegnet er dann nur. Er hat mit seinem jüdischen Theater „Bimah“ im vermeintlichen Problemkiez noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, im Gegenteil, es kommen beispielsweise auch Organisationen muslimischer Frauen, die sich einen „Shabat-Shalom“-Abend ansehen wollen. Das gefällt Lahav, der ausdrücklich „kein Theater von Juden für Juden“ betreiben will. Außerdem war die Wahl des Spielortes ein Wink des Schicksals. Lahav und sein Ensemble hatten aus der vormaligen Bühne am Steinplatz ausziehen müssen, er hatte seiner hochbetagten Mutter, die kurz darauf verstarb, sein Leid geklagt, doch die sagte nur: Wirst sehen, alles wird gut. Und dann stand Dan Lahav in Neukölln vor diesem schönen alten Ballsaal in der Jonasstraße, Jona, das war der Name seiner Mutter. „Mama, du kannst es nicht lassen“, dachte er. Der Mann sprüht vor solchen Anekdoten, schon das Gespräch mit ihm ist ein Erlebnis. In Israel geboren, dort als schauspielerisches Wunderkind gefeiert, kam er vor 30 Jahren auf den Spuren seiner Familie ins Täterland, wo die Großmutter einst am Hamburger Opernhaus engagiert war. Sie sang ihm oft vor, als er noch ein Kind war, mit sechs Jahren konnte er schon 30 Arien mitsingen. Nun vermittelt er selbst Kultur. Hat eine prominent besetzte Reihe mit Lesungen aus von den Nazis verbrannten Büchern im Programm, schützt einen Autor wie Hanoch Levin vor der Vergessenheit, lädt Theaterbesucher ein, einen Abend in einer jüdischen Familie zu verbringen. Sich kennenzulernen, darum geht es dem engagierten Theatermacher hier in Neukölln.

Genre: Schauspiel, Literatur

Plätze: 200

Kontakt: Jonasstr. 22, 12053 Berlin, Tel.: 251 10 96,

www.bimah.de

Route 7

RATIBOR THEATER

Ende der 70er Jahre blühte die Off-Szene in Berlin auf, unter anderem im wilden Kreuzberg. Einer der Männer der ersten Stunde ist Harald Klenk, der gebürtig aus Heilbronn stammt und 1977 mit einer Gruppe Gleichgesinnter das Ratibor Theater gründete, um freie Kunst und politisches Kabarett zu machen. „Wir waren damals 20 Leute und konnten uns auf nichts einigen, es war ungeheuer demokratisch“, amüsiert sich er sich rückblickend. Und doch machte sich die Bühne aus dem linksbewegten Milieu in der Heimat und auf Gastspielen schnell einen Namen, kurzzeitig sogar beim Staatsschutz. Die Künstlerkommunarden hatten unter der Hand bespielbare Fabriketagen gegen Wohnungen getauscht, die offiziellen Mieter der Ratibor-Räumlichkeiten wurden in Paris bei einem Bankraub für die RAF verhaftet. In ernstere Schwierigkeiten aber geriet das Theater, das 1980 von der Ratibor- in die Cuvrystraße umsiedelte, erst nach der Wende, als Kreuzberg plötzlich passé war. „Wir standen kurz vor der Pleite“, erzählt Theaterleiter Harald Klenk, doch dann kam ihm der Zufall in Gestalt eines Mitglieds der Impro-Theatergruppe „Die Gorillas“ zu Hilfe, man kannte sich eben von früher. Im 13. Jahr nun ist das Ratibor deren Heimat, so lange ist dort auch ihre Erfolgsshow „Gurke Banane“ schon zu sehen, eines von aktuell drei Gorilla-Programmen. Benannt haben sich die Improvisationskünstler nach der Spielart „Gorilla-Theater“, bei der verschiedene Regisseure mit ihren Szenen um die Gunst des verwöhnten Publikums kämpfen. Das zieht heute sogar Bundeskabinettsmitglieder und Zuschauer aus dem fernen München nach Kreuzberg.

Genre: Improvisationstheater

Plätze: 99

Kontakt: Cuvrystr. 20a, 10997 Berlin,

Tel.: 0178 5596894

www.ratibortheater.de

Route 7

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