Zeitung Heute : KILIAN KERNER MICHAEL SONTAG PENKOV

Kilian Kerner ist der Tellerwäscher unter den Berliner Designern. „Ernst genommen haben sie mich anfangs nicht.“ Immer noch hat er einen derartig unschuldigen Kleinjungenaugenaufschlag, dass man ihm die Kleider, die er heute auf der Berliner Fashion Week zeigen wird, fast nicht abnimmt. So elegant, so weiblich waren seine Entwürfe nicht immer. Wenn man in 20 Jahren an einem Designer erklären will, wie das so war mit der Berliner Mode, ist Kerner ein gutes Beispiel.

Anfangs zerriss er alte Hosen und bemalte T-Shirts, bis ihn jemand fragte, ob er nicht bei einer Modenschau mitmachen möchte. 2004 ging er zum ersten Mal zu einer Schneiderin und ließ nach seinen Vorstellungen nähen, schaute ihr dabei zu und erkannte: „Da steckt Power drin.“ Er findet es selbst „krass“, wie elegant und klassisch seine Mode nach sechs Kollektionen geworden ist. Überrascht hat er nicht nur sich selbst.

Michael Sontag ist ein guter Indikator dafür, dass sich die Fashion Week verändert. Seine heutige Schau im Zelt am Bebelplatz bezahlt der Veranstalter IMG, und er zeigt eine Kollektion, die nicht auf Verkäuflichkeit ausgerichtet ist. Der Absolvent der Kunsthochschule Weißensee darf einfach zeigen, was er kann – in London ist so was normal und fällt unter Talentförderung. Sontag will aber keineswegs ein Künstler sein, er sieht seine Mode als Produkt, das man tragen soll: „Bei meinen Freundinnen funktioniert das sehr gut.“

Oft geht es in der Mode um Reduzierung, Michael Sontag arbeitet andersherum. Er hängt sich einen Rohling ins Atelier – für diese Kollektion war es ein Rechteck aus schiefergrauem Seidencrepe mit einem Schlitz als Halsausschnitt –, schaut sich die einfache Form, den Fall des Stoffes, immer wieder an und entwickelt daraus ein Kleidungsstück nach dem anderen. Zum Beispiel eine Hose aus fester Seide, die fast von selbst steht. Beim Tragen werden sich unwillkürlich Querfalten ergeben, weil die Hose unten aufliegt, da nützt kein Drüberstreichen, keine straffere Haltung. Der Zufall ist quasi schon eingeplant. Das gefällt Michael Sontag.

Dass Bernadett Penkov diese Saison zum ersten Mal mit einer eigenen Modeschau auf der Fashion Week dabei ist, wird von ihren Berliner Kollegen fast mit Erleichterung wahrgenommen. Die 33-Jährige hat schon viele Preise gewonnen, mehrmals auf der London Fashion Week gezeigt, und ihre Sätze enden meist mit einem entschiedenen Punkt. Dabei lächelt sie so reizend, dass man ihre Autorität fast für einen Schwindel halten könnte. Bis sie mit einem schnellen Seitenblick einem ihrer Mitarbeiter eine präzise Anweisung gibt: „Meine Firma ist ein richtiger kleiner Apparat geworden.“

Sie trägt metallicblaue Satinhighheels, eine nachtblaue Seidenbluse und kurze Shorts. Ihre Mäntel taugen mit Schulterklappen, glänzenden Knöpfen, Bindegürteln und hohen Kragen als Uniform für Berliner Frauen, die nichts dagegen haben, Mädchen genannt zu werden, wenn Bernadett Penkovs Kleider darunter sichtbar werden. Sie haben nichts Niedliches, sie sind einfach zu tragen, sehen aber nicht danach aus. Die Designerin findet, die Gewöhnungszeit an deutsche Mode aus Berlin ist jetzt langsam mal vorbei: „Die Mode ist jetzt hier.“ Punkt.

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