Zeitung Heute : Kimonos zu Kultdesign

Martin Brem setzt mit seinem Label Sai So kostbare alte Kimonos zu neuen Kleidern zusammen

Inge Ahrens

„Sai So“ heißt Martin Brems Label. Das bedeutet: Hier wird etwas wieder zusammengefügt. Denn Martin Brem nimmt antike Kimonos auseinander und macht daraus hinreißende neue Kleider, einmalig und nicht zu kopieren, Massenproduktion unmöglich. Der Farb- und Mustermix der edlen Stoffe ist eine Art kulturelles Crossover. Die Reinkarnation des historischen japanischen Gewandes aus feinster Seide kann als Schal erfolgen oder als winziger Origamipropeller zum Anstecken. „Immer steht der Stoff im Vordergrund und nicht der spektakuläre Schnitt.“ Der klassische Rock ist kurz oder lang und hat eine überraschende Kellerfalte, die beim Gehen wie eine Blüte aufspringt. Der Superminirock läuft überm Po als zweifache Schärpe aus – ein Designwurf der Hamburger Designerin Sibilla Pavenstedt.

Muster fügt sich an Muster. Nein, kein Patchwork ist das. Aus aufgelösten alten Bildern wachsen neue Landschaften. Darum gibt es auch keine typischen Kollektionen wie sonst in der Mode üblich. Auf den Messen werden schon mal zwölf Stück von einem Modell geordert, diesen Herbst noch geht es nach Mailand und nach Paris. Mehr als tausend historische Kimonos besitzt Martin Brem, und keiner gleicht dem anderen: mit Samt und Stickereien und blassen Kamelien verziert oder mit strengen Linien. Über viele Jahre hat seine 2001 verstorbene Frau die Stücke mit großer Leidenschaft gesammelt. Jetzt werden sie zu exklusiven modischen Accessoires.

„Man kann alles machen“, sagt der Österreicher, „aber immer mit Respekt für den kostbaren Stoff. Als erstes haben wir einen Farbcode entwickelt. In Sai So steckt viel Gefühl.“ Das war Martin Brem in seinem bisherigen Beruf als Marketingmann im Musikbusiness abhanden gekommen. Jetzt genießt er das Glück des Anfängers. „Hier kommt so viel zurück“, strahlt er. Die besten Häuser weltweit ordern inzwischen seine schönen Stoffarbeiten, sogar Harvey Nichols in London möchte eine Spezialpräsentation. Der frühere Ministrant und heutige Trendmacher genießt und lässt der Phantasie Lauf.

Dem Buddhistischen aufgeschlossen, bastelt er an „Sai So Scents“: Weihrauch und Musik sollen sich zusammenfinden in kleinen Schachteln. Ein Giveaway für die nächsten Messen, und die gerade abgemischte CD „esha“ schaukelt uns ins Kirschblütenland, geradewegs nach Kyoto, wo die schönen Seiden herkommen.

Seit September kann man Sai So im neuen Schauraum bei Gut-Schön bewundern. Mit dem Innenarchitekten und Möbeldesigner Ralf Pfeiffer teilt er das Gute und das Schöne, mit der Hamburger Modemacherin Sibilla Pavenstedt will er seine Kollektion weiterentwickeln. Gerade gründeten die beiden eine Produktionsgemeinschaft, die den Männern schon Anfang nächsten Jahres prachtvolle Hemden und Hosen bescheren soll.

Sai So, Torstraße 140 (Mitte), Mo-Fr 11-19 Uhr, Sa 11-17 Uhr.

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