Zeitung Heute : Kims jüngster Sohn führt Atommacht

Nach dem Tod des nordkoreanischen Diktators Sorge um die Stabilität in Ostasien.

Es bleibt in der Familie. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il (rechts) ist tot, sein jüngster Sohn Kim Jong Un beerbt ihn. Foto: Petar Kujundzic/Reuters
Es bleibt in der Familie. Der nordkoreanische Diktator Kim Jong Il (rechts) ist tot, sein jüngster Sohn Kim Jong Un beerbt ihn....Foto: REUTERS

Berlin/Washington - Der Tod des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Il hat Sorgen vor einer Destabilisierung der Region geweckt. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA meldete am Montag, der 69-jährige Machthaber habe am Samstag während einer Zugfahrt einen Herzinfarkt erlitten. Kurz darauf bezeichneten die Staatsmedien Kims jüngsten Sohn Jong Un als „großartigen Nachfolger“. Der Kronprinz ist erst Ende 20 und genießt nach Einschätzung von Experten nicht den vollen Rückhalt des Militärs in dem international isolierten Land.

„Alle Parteimitglieder, Soldaten und die Öffentlichkeit sollten nun treu der Führerschaft von Kamerad Kim Jong Un folgen“, verkündete eine schwarzgekleidete Sprecherin im nordkoreanischen Staatsfernsehen unter Tränen. Fahnen wurden auf halbmast gesetzt, bis zum 29. Dezember wurde eine Trauerphase angeordnet. TV-Bilder aus dem autoritär regierten Staat zeigten schluchzende Mitglieder der Staatspartei. KCNA berichtete von Szenen „unbeschreiblicher Trauer“ auf den Straßen Pjöngjangs. Die staatliche Propaganda bezeichnete Kim Jong Il stets als „geliebten Führer“. Das Staatsbegräbnis wurde für den 28. Dezember angesetzt. Sein Nachfolger, der 1983 oder 1984 geboren sein soll, erhielt in den vergangenen Jahren wichtige Posten in Militär und Partei und trat seit September 2010 regelmäßig an der Seite seines Vaters auf.

Außenminister Guido Westerwelle hat nach dem Tod von Kim Jong Il die künftige Führung in Nordkorea zu Reformen aufgerufen. „Die Menschen leiden unter der Diktatur“, sagte Westerwelle. „Sie brauchen neue Wohlstandschancen.“

Die USA reagierten zurückhaltend und bereiten sich auf Turbulenzen bei der geplanten Machtübergabe vor. Präsident Barack Obama rief seinen südkoreanischen Kollegen Lee Myung Bak an und bekräftigte, Amerika werde alles Nötige für die Sicherheit seines Partners und die Stabilität in der Region tun. Obama hatte in der Vergangenheit stets betont, Nordkorea müsse seine Zusagen, das Atomwaffenprogramm zu beenden, erfüllen, ehe es mit neuer US-Hilfe rechnen könne.

Als letzter Verbündeter Nordkoreas brachte China seine Trauer zum Ausdruck. Das Außenministerium in Peking teilte mit, China sei zuversichtlich, dass das nordkoreanische Volk geeint bleibe. Die Volksrepublik wolle ihre freundschaftlichen Beziehungen zu Nordkorea nutzen, um die Stabilität in der Region zu wahren.

Kim Jong Il hatte 1994 die Macht in dem international isolierten Staat von seinem Vater Kim Il Sung übernommen. Während seiner Amtszeit rutschte das Land in eine schwere Wirtschaftskrise. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in bitterer Armut. Während der 90er Jahre verhungerten rund eine Million Nordkoreaner. International beunruhigte das Land mit der Entwicklung von Atomwaffen und Raketentests. 2006 und 2009 schockierte das Land die Weltgemeinschaft mit zwei Atomtests. Bis heute ist unklar, ob das Militär tatsächlich schon im Besitz einer einsatzfähigen Kernwaffe ist.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete am Montag, Nordkorea habe an der Ostküste eine Kurzstreckenrakete getestet. Der Abschuss habe aber offenbar nichts mit dem Tod Kims zu tun. Die Aktienkurse in Seoul gaben am Montag deutlich nach. mit rtr/dpa/AFP

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