Kinder erleben Kunst : Pinselstrichen auf der Spur

Wie das Barberini kleinen und großen Besuchern den Umgang mit Kunst nahebringen will.

Fenster zur Kunst. Schon vor der Eröffnung besuchten 120 Potsdamer Schüler Workshops im Museum.
Fenster zur Kunst. Schon vor der Eröffnung besuchten 120 Potsdamer Schüler Workshops im Museum.Foto: Andreas Klaer

Kinder, die anderen Kindern ihre Lieblingsbilder zeigen. Junge Eltern, die mit ihren Babys zum Museumsbesuch eingeladen werden. Kitagruppen, die Kunst vor Ort entdecken und dann selbst kreativ werden. Kursangebote für Erwachsene. Afterwork-Veranstaltungen für Junge und Junggebliebene. Das Museum Barberini zeigt nicht nur Kunstwerke, es lädt Besucher jeden Alters auch zur aktiven Auseinandersetzung ein.

Kunst gemeinsam erleben, Wissen über das Gesehene vermitteln und in Workshops praktisch begreifbar machen: Diese Aufgaben verantwortet im Barberini Silke Krohn. Die promovierte Kunsthistorikerin wechselte nach Stationen in Kiel, Wien und Berlin, wo sie unter anderem in der Sammlung Scharf-Gerstenberg das Atelier aufbaute, nach Potsdam. Im neuen Kunstmuseum am Alten Markt ist sie zuständig für den Bereich „Bildung und Vermittlung“. Dazu gehört weit mehr als das, was man früher unter Museumspädagogik verstand, erklärt sie. So arbeitete sie beispielsweise an der App und dem Audioguide für das Museum mit. Auch die Zielgruppe ist größer, es gehe nicht nur um Kinder: „Wir wollen auch für Erwachsene arbeiten“, sagt Silke Krohn. Im Mittelpunkt aller Angebote werde die Auseinandersetzung mit dem Originalkunstwerk stehen.

Zum Beispiel bei den „Kidsguides“. Unter diesem Namen sind in den vergangenen Wochen acht Kinder im Alter von elf und zwölf Jahren zu kleinen Experten für die Ausstellung der Impressionisten ausgebildet worden. An jedem ersten Sonntag im Monat sollen sie – jeweils im Duo – Gleichaltrige durch die Ausstellung führen, ihre Lieblingsbilder zeigen und erklären, worum es den Impressionisten ging und wieso sie so gern im Freien malten. Das alles in kindgerecht gut verdaulichen 30 Minuten. Für jede neue Ausstellung, so der Plan, werden neue „Kidsguides“ ausgebildet. Sorgen um interessierten Nachwuchs macht sich Silke Krohn dabei nicht. Sie geht davon aus, dass das Angebot zum Selbstläufer wird.

Zwischen neun und elf Uhr darf es auch mal lauter werden

Die ersten Schülergruppen arbeiteten schon während der Besuchertage, als noch gar keine Kunst im Museum zu sehen war, in den Räumen und dem großzügig ausgestatteten Atelier. Die Nachfrage war groß: 120 Potsdamer Schüler erkundeten das Haus bei Führungen und setzten sich künstlerisch damit auseinander, entwickelten Collagen oder Grafiken. Das Besondere auch hier: Sie wurden von Altersgenossen angeleitet. Elftklässler eines Seminarkurses Kunst des Potsdamer Humboldt-Gymnasiums hatten sich mit Hilfe des Museums und ihrer Kunstlehrerinnen auf den Projekttag vorbereitet und ihn größtenteils selbstständig durchgeführt – eine neue Erfahrung für Schüler und Lehrkräfte. Letztere will sich das Museum künftig mit Weiterbildungsangeboten ansprechen. „Das Interesse ist groß“, sagt Silke Krohn.

Der Vermittlung an Jüngere räumt das Barberini zudem ein eigenes Zeitfenster ein: Angemeldete Kita- und Schülergruppen können an den Wochentagen jeweils von neun bis elf Uhr, also vor der regulären Öffnungszeit, das Museum erkunden. „Dann darf es auch mal ein bisschen lauter werden“, sagt Silke Krohn.

Auch Familien hat das Museum im Blick. Das fängt schon damit an, dass Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kostenfrei ins Haus kommen. Damit schlägt ein Familienausflug nicht wie anderswo teurer zu Buche. Für Eltern mit Babys und Kleinkindern bis zu einem Jahr gibt es jeweils am ersten Mittwoch im Monat eine Führung in entspannter Atmosphäre. Für Eltern mit Kindern im Alter von fünf bis zehn Jahren gibt es die „Kinderkunstaktion“, jeden Sonnabend um elf Uhr. Während die Eltern an der öffentlichen Führung teilnehmen, können die Kinder zwei Stunden lang das Haus und die Kunst für sich entdecken – in der Ausstellung und im Atelier.

Erwachsene können sich in Maltechniken üben

Dass zur Auseinandersetzung mit Kunst nicht nur das Nachdenken über die Bildinhalte gehört, sondern auch über die Wirkung von verschiedenen Techniken, zeigt sich auch bei den Kursen für Erwachsene. Eine ganze Reihe von Angeboten hat Silke Krohn aufgelegt; bis zu 15 freie Mitarbeiter sollen als Guides für die Umsetzung sorgen. „Mattheuer und seine Zeit. Kunst in der DDR“ heißt ein Kurs oder – passend zur Impressionisten-Ausstellung, mit der das Museum eröffnet – „Farbe ist Licht. Tages- und Jahreszeiten im Impressionismus“.

In letzterem sollen die Teilnehmer erkunden, mit welchen malerischen Mitteln Künstler wie Claude Monet, Alfred Sisley und Camille Pissarro Reflexionen im Schnee und auf Wasseroberflächen auf die Leinwand brachten – und im Workshop selbst verschiedene Tages- und Jahreszeiten mit Farbe darstellen. Gebucht werden können jeweils die thematischen Führungen und ein dazugehöriger Workshop für Gruppen bis zu 25 Personen. Erwachsenengruppen zahlen für Führungen 90 Euro zuzüglich Eintritt und für Workshops 220 Euro.

Auch in die Forschungsarbeit und die Vorbereitung neuer Ausstellungen gewährt das Museums Einblicke: Die eintägigen Symposien im Vorfeld der Ausstellungen sind offen für Gäste. Die Karten kosten zehn, ermäßigt acht Euro.

Entspannt soll es bei „Barberini After Five“ an jedem ersten Donnerstag im Monat zugehen. Nach dem Vorbild der renommierten Phillips Collection in Washington D.C. lädt das Barberini von 17 bis 21 Uhr ein jüngeres Publikum – unter 35-Jährige – ein zu Ausstellungsrundgang, Musik und Drinks.

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