Zeitung Heute : Kinder zuerst

Ohne Testament: Je näher die Verwandtschaft, desto größer der Erbteil

Antje Schweitzer

Das deutsche Erbrecht folgt dem alten Grundsatz: „Das Gut rinnt wie das Blut.“ Die gesetzliche Erbfolge, die dann zum Tragen kommt, wenn der Erblasser kein Testament hinterlassen hat, folgt dem Verwandtschaftsgrad: Je näher die Verwandtschaft, desto höher der Anspruch.

Gesetzliche Erben sind – neben dem Ehepartner – die Blutsverwandten, vor allem Kinder, Eltern und Geschwister, niemals aber angeheiratete Verwandte. Mit einer Ausnahme: Auch Adoptionen können gesetzliche Erbrechte begründen. „Die gesetzliche Rangfolge beim Erben ist so aufgebaut, dass die näheren Verwandten des Erblassers Anspruch auf einen größeren Erbteil haben als die ferneren Verwandten“, sagt Jürgen Nipper, Rechtsanwalt und Notar aus Brake. Das Gesetz teilt die Angehörigen in unterschiedliche Ordnungen ein (siehe Grafik). „Die Zahl der Ordnungen ist nach dem Gesetz nicht beschränkt. Die Verteilung eines Vermögens kann also nach dem beschriebenen Muster beliebig fortgeführt werden.“ Faustregel: Verwandte einer näheren Ordnung schließen die Angehörigen einer entfernteren Ordnung vom Erbe aus.

Innerhalb der einzelnen Ordnungen wird der Nachlass wiederum nach unterschiedlichen Prinzipien verteilt. Faustregel auch hierbei: Nähere Verwandte schließen die entfernteren aus. So haben etwa in der 1. Ordnung die Kinder den ersten Zugriff vor Enkeln und Urenkeln.

Da Ehepartner nicht zu den Blutsverwandten zählen, besteht für sie ein eigenes Erbrecht. Der Ehegatte kann aber nur das erben, was ihm sein Partner hinterlässt – von Erbschaften innerhalb der Verwandtschaft des Ehepartners erhält der andere nach der gesetzlichen Erbfolge nichts.

Unverheiratete Partner haben kein gesetzliches Erbrecht. „Ohne Testament geht der Lebenspartner leer aus“, sagt Nipper. „Vielen Paaren ohne Trauschein ist das nicht bewusst.“ Falls sich keine gesetzlichen Erben ermitteln lassen, fällt das Erbe an den Staat.

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