Kinderbetreuung : Berlin zahlt mehr für Kitas als alle anderen

Eine neue bundesweite Studie stellt der Hauptstadt ein gutes Zeugnis bei Anzahl der Plätze und der Betreuung aus. Familiensenator Jürgen Zöllner würdigte den Report als "gutes Zeugnis für Berlin". Die Opposition und Elterngremien verweisen auf qualitative Defizite.

Susanne Vieth-Entus

Berlin/Gütersloh - Kein anderes Bundesland gibt pro Kind so viel für die Frühförderung seiner Kinder aus wie Berlin. Dies geht aus der jüngsten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor. Die hohen Ausgaben resultieren daraus, dass Berlin im Vergleich mehr Kita-Plätze bietet und nur geringe Elternbeiträge verlangt.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte alle Bundesländer nach ihren Investitionen befragt. Dabei kam heraus, dass es bei der frühkindlichen Betreuung noch große Ost-West-Unterschiede gibt. In den östlichen Ländern ist das Platzangebot quantitativ besser, während im Westen mehr Personal eingesetzt wird.

Mit einem Verhältnis von einer Erzieherin für weniger als fünf Kleinkinder liegen Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland in der Spitzengruppe. Berlin, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein befinden sich im Mittelfeld. Die Schlussgruppe bilden Brandenburg, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die einer Erzieherin mehr als sechs Kleinkinder zuteilen. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt ein Verhältnis von eins zu drei. In der Gruppe der unter Dreijährigen werden in Berlin fast 40 Prozent in einer Einrichtung betreut. Bundesweit sind es nur 15,5 Prozent. Von den Vorschulkindern werden in Berlin 95 bis 97 Prozent in einer Kita betreut (Bundesschnitt: 89,8 Prozent).

Dem Landeselternausschuss reicht Berlins Spitzenstellung bei den Investitionen nicht. „Das Hurra bleibt einem im Halse stecken“, sagte Landeselternsprecher Burkhard Entrup mit Hinweis darauf, dass Berlin „die größte Kinderarmut, die meisten Alleinerziehenden und die meisten Migranten hat“. Entrup unterstützt ein Volksbegehren für bessere Kindertagesstätten, das 2500 zusätzliche Erzieherinnen fordert. Die Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisierte, dass Kinder von Arbeitslosen nur einen Halbtagsplatz bekommen. „Es müssen mindestens sieben Stunden sein“, forderte Referatsleiter Klaus Schroeder.

„Im Vergleich zu den anderen Ländern steht Berlin gut da. Im europäischen Vergleich ist das anders“, dämpfte auch die Verfasserin der Studie, Kathrin Bock-Famulla, die Begeisterung des Senats über die Berliner Ergebnisse.

Die Studie im Internet unter www.kinder-frueher-foerdern.de

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