Zeitung Heute : Kirchen und die Neuen Medien: Bibelzitate als SMS auf das Handy

Jörg Schneider

Protestanten aus dem norddeutschen Pinneberg, die einen Umzug ins oberbayerische Penzberg erwägen, dürften angenehm überrascht sein: Sie können sich im Internet schon mal vorab über die Aktivitäten der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde informieren. Selbst eine Fotogalerie der Konfirmanden steht im weltweiten Netz.

So liebevoll die Webpage gestaltet ist, so schwierig dürfte es für Außenstehende sein, auf die Internetadresse www.evki-penzberg.de zu stoßen. Wäre es nicht sinnvoller, die Penzberger könnten zusammen mit allen anderen deutschen Kirchengemeinden unter dem Dach eines zentralen evangelischen Kirchenportals gefunden werden? Über diese und andere Fragen diskutierten Experten bei der Fachtagung "Christliche Kommunikation im Web" in der Evangelischen Akademie Tutzing.

23 Prozent der Deutschen tummeln sich bereits im Internet, im Jahr 2005 sollen es bereits knapp 50 Prozent sein. Der Marburger Sozialethiker Professor Wolfgang Nethöfel ist davon überzeugt, dass mit dem neuen Leitmedium einer vernetzten Informations- und Kommunikationstechnik ein Epochenwandel stattgefunden hat. "Wenn die Volkskirchen keine Netzkompetenz entwickeln, werden sie das nicht überleben", prognostiziert der Theologe. Gabriele Eckert von der business media AG in Bonn riet den Kirchen, sich mit sozialen Dienstleistungsangeboten und einer christlichen Kommentierung aktueller Ereignisse auf das Internet einzulassen. Die Tagungsteilnehmer ließen keinen Zweifel daran, dass die Kirchen das Internet brauchen. Der Anschluss an die Netzkommunikation der 15- bis 40-Jährigen dürfe nicht verpasst werden. An den großen Visionen fehlt es freilich bisher. Konzeptionell durchdachte Auftritte wie der einer Agentur unter www.kerygma.de oder das Angebot unter www.kirchenbörse.de sind ebenso selten wie die pfiffige Idee des kirchlichen Internet-Shops www.domus-domini.de , der bis Weihnachten via SMS kostenlos Bibelzitate auf das Handy-Display liefert.

Um im Internet professionell präsent zu sein, werden die Kirchen nach Einschätzung der Teilnehmer umdenken müssen. Das Heil liege nicht in offiziellen Verlautbarungen der Kirchenleitung, wichtiger seien die Fragen nach den Zielgruppen sowie den Themen, die Menschen im Netz interessieren. Viel Zeit bleibt den Kirchen jedoch nicht: "Wenn Sie sich nicht beeilen, sind die Claims im Netz bereits abgesteckt", warnt Ulrike Gropp von den Hamburger "Netzpiloten".

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