Zeitung Heute : „Klares Profil für das Studium“

Die TU Berlin startet eine Offensive für die Lehre

Nach der Exzellenzinitiative ist vor der Qualitätsoffensive: Standen bisher Forschung, Graduiertenschulen und Zukunftskonzepte im Mittelpunkt des bundesweiten Wettbewerbs, so soll nun die Lehre in den Fokus rücken. Dabei wird das Qualitätsmanagement für Lehre und Studium ein Kernthema sein.

Wie bereitet sich die TU Berlin auf diese Offensive für die Lehre vor?

Momentan werden einzelne Studiengänge von Agenturen akkreditiert. Dahinter steht ein aufwendiges Verfahren, das eine Bewertung der angebotenen Studieninhalte hinsichtlich der Erfüllung von Mindeststandards vornimmt. Wir wollen diesen Prozess weiterentwickeln und erweitern. Ziel der TU Berlin ist es, ein umfassendes Qualitätsmanagement für den Bereich Lehre und Studium einzuführen.

Was bedeutet das konkret?

Wir vollziehen einen Paradigmenwechsel: Wir wollen zur beschriebenen Programmakkreditierung eine sinnvolle Ergänzung und das ist die Systemakkreditierung. Wir lassen nicht mehr nur einzelne Studiengänge untersuchen, sondern wollen uns den Gesamtprozess von der Generierung eines Studiengangs bis hin zur Umsetzung in der Lehre bewerten lassen. Wir betrachten sehr unterschiedliche Bereiche, etwa den Studierendenservice, die Prüfungsverwaltung oder die Ergebnisse aus Evaluationen des Studienangebots. Wir untersuchen systematisch, wie und wo neue Studienangebote entstehen, wie sichergestellt wird, dass sie internationalen Standards genügen, welche Instanzen sie genehmigen und wie sie durchgeführt werden. Unser Ziel ist es, durch diese Bestandsaufnahme die Prozesse für Studierende in den Fakultäten und in der Verwaltung zu optimieren. Dieses Qualitätsmanagementsystem für Studium und Lehre wollen wir zügig an der TU Berlin umsetzen.

Was wurde bisher schon getan beziehungsweise umgesetzt?

Alle beteiligten Akteure haben wir an einen Tisch geholt. Sie erarbeiten derzeit eine aktuelle Bestandsaufnahme für die Prozesse in Lehre und Studium. Vor zwei Jahren haben wir unser Zehn-Millionen-Programm „Offensive Wissen durch Lernen“ aufgelegt. Hier fördern wir Tutorien, Kleingruppenarbeit und zahlreiche E-Learning-Programme zur Verbesserung der Studienbedingungen. Das war eine wichtige Investition für die gesamte Universität. Außerdem arbeitet seit Anfang des Jahres ein Team an dem Qualitätssicherungssystem „QS2“ für Studiengänge.

Was kann man darunter verstehen?

Es untersucht, welche Kernkompetenzen im Bachelor thematisiert und vermittelt werden müssen und welche im Master. Unsere Studiengänge sollen ein klares Profil bekommen - auch abgrenzbar gegenüber Fachhochschulabschlüssen. Das Teilprojekt ist ein wichtiges Element unseres Qualitätssicherungssystems, wie es auch der Wissenschaftsrat empfiehlt. Später will die TU Berlin für die Bereiche Forschung, Weiterbildung oder Verwaltung ähnliche Qualitätsmanagementsysteme einführen. Unser Fernziel ist es, ein integriertes Qualitätsmanagementsystem für die gesamte Universität vorweisen zu können.

Das Gespräch führten Kristina R. Zerges und Stefanie Terp

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