Zeitung Heute : Klassiker aus Abfall

Freitag-Taschen sind ein Zürcher Exportschlager

Grit Thönnissen

„Wir machen ein Trashprodukt“ – kühne Worte aus dem Munde eines schweizerischen Designers. Schließlich erwartet man von Produkten aus der Schweiz vor allem eins: hohe Qualität. Dieses Kriterium erfüllen die Taschen, die die Brüder Markus und Daniel Freitag seit dreizehn Jahren produzieren, spielend. Mit „Trash“, englisch für „Abfall“, meint Markus Freitag das verwendete Material – gebrauchte LKW-Plane. Die wird in Zürich zu den berühmten Freitag-Taschen verarbeitet, deren Vorbilder die Umhängetaschen der Fahrradkuriere waren. Wettergegerbt und voller Gebrauchsspuren muss die Plane sein und möglichst bunt bedruckt, so dass jede Tasche mit einem anderen Muster versehen werden kann.

Wenn die Planen im Firmensitz im ehemaligen Industriegebiet Zürich-West, inzwischen Heimat für die kreative Wirtschaft der Stadt, ankommen, müssen sie erst einmal in einer riesigen Industriewaschmaschine gewaschen werden. Die „naive Recyclingidee, aus altem Material Neues zu machen“, kam den Brüdern, als sie 1993 von ihrem WG-Fenster aus auf die Transitstrecke nach Italien schauten, auf der jeden Tag tausende LKWs unterwegs sind. Inzwischen ist Freitag zu einem festen Bestandteil der Zürcher Designszene geworden. Immerhin verarbeitet das Unternehmen 200 Tonnen Plane im Jahr. Das sei so viel, als wenn Lastwagen in einem 60 Kilometer langen Stau stünden, verbildlicht es Markus Freitag.

Die Mengen zeigen: Die Tasche ist längst ein wichtiges Exportgut aus Zürich geworden. Schließlich ist sie die Mutter aller Taschen aus LKW-Plane. Ihren Adelsschlag erhielt sie durch die Aufnahme in die Sammlung des New Yorker Museums of Modern Art.

Jetzt haben sie auch noch das neue Wahrzeichen von Zürich-West gebaut. Der Containerturm am Rande des ehemaligen Maag-Zahnradwerkes ist das erste Geschäft der Freitag-Brüder in ihrer eigenen Stadt. Aus 17 rostigen Frachtcontainern stapelten sie ein ebenso lichtes wie improvisiertes Haus in dem sich in langen Regalen die Taschen stapeln. Vom Dach aus haben die Besucher nicht nur einen spektakulären Blick über die Alpen, sie können auch über die Transitstrecke hinweg durch das Küchenfenster in die ehemalige Freitag-Wohngemeinschaft schauen, wo 1993 alles anfing.

Freitag Shop, Geroldstr. 17, Zürich-West. www.freitag.ch

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