Zeitung Heute : Klassiker im Blumentopf König der Blütenöle

Alpenveilchen zwischen drinnen und draußen Der Jasmin ist eine bezaubernde Kletterpflanze mit betörendem Duft

Tassilo Wengel
243169_0_3a7dc7fa.jpeg
Foto: dpa

Alpenveilchen sehen aus wie dicke Blumensträuße: Unten die grüne Manschette, darüber der üppige Blütentuff, der alle Farben von Weiß über Rosa und Rot bis zu dunklem Purpur durchspielt. In der dunklen Jahreszeit, die mit Farben geizt, ist das ein wahrer Lichtblick. Kein Wunder also, dass Alpenveilchen zu den Dauerbrennern unter den Topfpflanzen gehören.

Fachleute streiten sich, ob es 14 oder 19 Cyclamen-Arten gibt. Aber über die Stammmutter des Topf-Alpenveilchens gibt es keine Zweifel: Das ist Cyclamen persicum. Wer den Namen jedoch als Persisches Alpenveilchen übersetzt, liegt falsch. Die Art wächst nicht in Persien. Sie kommt auf Kreta vor, in der Türkei, sogar in Tunesien und Algerien gedeiht sie. Der Artname bezieht sich auch nicht auf die Herkunft, sondern auf die Farbe, und die ist bei der wilden Form eindeutig „persicum“, also pfirsichfarben.

So populär das Topf-Alpenveilchen heute ist, jahrhundertelang stand es völlig im Schatten der winterharten Arten: Des auch in Bayern heimischen Alpenveilchens (Cyclamen purpurascens), des herbstblühenden Efeublättrigen Alpenveilchens (Cyclamen hederifolium) und des Vorfrühlings-Alpenveilchens (Cyclamen coum). Frost macht ihnen nicht viel aus. Stimmen die Standortbedingungen, können sie in den Gärten alt werden. Cyclamen persicum konnte das nicht. Aber auch drinnen im Zimmer gedieh es nicht. Bis ins 19. Jahrhundert hinein gab es dort nur kleine, blasige Fensterscheiben. Erst die großen, durchsichtigen Scheiben ließen genügend Licht in die Zimmer, um auch drinnen dauerhaftes Pflanzenleben möglich zu machten. Die Karriere von Cyclamen persicum konnte beginnen.

Sie startete rasant. Einer der vielen Cyclamengärtner, Harm Wobbe aus Hamburg, vermehrte 1845 bereits 50 000 Stück für den regionalen Markt. Dabei stand die Entwicklung der großblütigen Sorten noch aus. ,Splendens‘ hieß die erste, in England gezüchtete Sorte.

Aber bald beschäftigten sich auch Züchter in Dresden, Hamburg und Berlin mit Cyclamen persicum und ,Deutsche Kaiserin‘, ,Wilhelm I.‘ und ,Kaiser Wilhelm II.‘ nahmen auf Fensterbänken Platz. Nach der Jahrhundertwende entstanden Sorten wie ,Rosa von Wandsbek‘ und ,Perle von Zehlendorf‘, die weltweit Furore machten.

Die Farbpalette reichte nun von reinweiß, weiß mit Auge, rosa mit Auge, heller und dunkler Lachsfarbe, lachsscharlach, leuchtend rot und dunkelrot bis hin zu Purpurtönen. Rokoko-Cyclamen mit gerüschten Blüten, gefüllte, schwach und stark gefranste, gestreifte, geflammte und „bärtige“ Sorten erweiterten das Bild.

Zu ihrer Rolle als Topfpflanzen trat eine zweite als haltbare Schnittblume hinzu. Cyclamen füllten die Vasen mit Blumen, die lange Zeit nicht groß genug sein konnten. Erst die 1970er Jahre brachten eine Rückbesinnung auf Kleinblütige. Heute darf gewählt werden zwischen groß-, mittel- und kleinblumig sowie den zierlichen Mini-Cyclamen, die an die wilden Vorfahren erinnern.

Dank dieser Vielfalt wurde das Alpenveilchen zu einer der beliebtesten Topfpflanzen, schob sich in den 50er Jahren sogar bis auf Platz eins vor. Die Wohnungen boten optimale Bedingungen: Die Ofenheizung herrschte vor. In den meisten Wohnungen wurde nur ein Zimmer richtig geheizt. Kühle Räume mit der Cyclamen-Wunschtemperatur von zwölf bis 15 Grad Celsius gab es ausreichend.

Aber dann begannen die Zentralheizungen die Ofenheizung zu verdrängen. Immer häufiger standen Kühle gewöhnte Cyclamen in 20 Grad warmen Zimmern auf der Fensterbank direkt über der Heizung. Der warme Luftstrom ließ ihre Blätter gelb und die Stängel lang und weich werden. Die Knospen blieben stecken. Der dicke Blumenstrauß über üppig-grüner Manschette hielt nicht lange.

Die Cyclamen-Gärtner grübelten über Lösungen. „Warum nicht aus der Schwäche eine Stärke machen?“ fragten sie sich schließlich. Wenn das Alpenveilchen Kühle liebt, kann man es nicht genau dort auch verwenden? Versuche mit Topf-Alpenveilchen im Freien im herbstlichen Balkonkasten oder im Blumenbeet begannen. Überraschend zäh setzte es sich durch, zeigte prächtige Blüten und gesundes Laub trotz rauer Witterung.

Weitere Möglichkeiten ergaben sich, als es gelang, Cyclamen persicum mit Cyclamen purpurascens zu kreuzen. Eigentlich sollte der Wildling den Cyclamen-persicum-Kindern eine größere Resistenz gegen Pilzkrankheiten verleihen. Aber er gab ihnen auch eine gute Winterhärte und süßen Duft mit. Die Pfirsichblütige wandelte sich zur Gartenpflanze. dpa

Der Duft von Jasmin – betörend und sinnlich zugleich – zeichnet sich als wertvoller Bestandteil teurer Damen- und Herrenparfüms durch eine besonders schwere und süße Note aus. Auch „Engelsduft“ oder „König der Blütenöle“ genannt, liefert der Echte Jasmin eines der teuersten ätherischen Öle der Welt. Er stammt aus Vorderasien und ist im Mittelmeergebiet auch verwildert anzutreffen. Für die Parfümgewinnung wird der Echte Jasmin im Süden Frankreichs ebenso wie Lavendel und Rosen auch kommerziell angebaut.

Aber nicht nur für die Parfümindustrie ist der Jasmin ein wichtiges Element. In der etwa 200 Arten umfassenden Gattung Jasminum gibt es eine Reihe schöner Arten, die sich gut als Zierpflanzen verwenden lassen.

Beim Echten Jasmin (Jasminum officinale) handelt sich um eine attraktive Kletterpflanze, die in unseren Breiten als Zimmerpflanze Bedeutung hat. Sie bildet lange, windende Triebe mit zahlreichen Fiederblättern, die an einem Klettergerüst gezogen werden. Ab Juni entfalten sich den ganzen Sommer über weiße, intensiv duftende Blüten, in einer Scheindolde vereinigt.

Auch der Vielblütige Duftjasmin (Jasminum polyanthum) ist eine reizvolle Kletterpflanze, die meist schon ab Ende Januar blühend erhältlich ist. Bei dieser Art handelt es sich um eine Zimmerpflanze, die aus Westchina stammt. Sie wird vorwiegend um einen Drahtring gezogen als Kletterpflanze angeboten, wirkt aber auch in einer Blumenampel sehr dekorativ. Die Pflanze ist immergrün, hat zierlich gefiederte Blätter und einen vielblütigen, rispenartigen Blütenstand mit zahlreichen weißen, angenehm duftenden Einzelblüten. Sie entfalten sich oft schon im zeitigen Frühjahr und erscheinen den ganzen Sommer über bis zum September.

Beide Arten benötigen ganzjährig einen hellen, möglichst sonnigen Standort und können gut am Südfenster stehen. Sobald keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind, können die Pflanzen auch im Freien einen Platz in voller Sonne erhalten. Allerdings sollten sie erst allmählich an die intensive Sonneneinstrahlung gewöhnt werden, um Verbrennungen der Blätter zu vermeiden. Sobald wieder Nachtfröste zu erwarten sind, holt man sie in einen hellen, kühlen Raum. Bestens geeignet sind Veranda, Treppenhaus oder Wintergarten, sofern die Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius liegen. Zu hohe Temperaturen führen zur Bildung von schwachen, vor allem blühfaulen Trieben.

Eine gleichmäßige Ballenfeuchte ist sowohl im Sommer als auch im Winter wichtig. Allerdings muss man im Sommer reichlicher gießen als im Winter. Die niedrigeren Überwinterungstemperaturen können bei zu hoher Ballenfeuchte schnell zu Wurzelerkrankungen führen.

Höhere Ansprüche stellt der Arabische Jasmin (Jasminum sambac). Er stammt aus Sri Lanka und Indien, wo er als immergrüner Kletterstrauch bis zu drei Meter hoch wird. Die Blätter sind elliptisch-eiförmig, ganzrandig und glänzend. Vom Frühjahr bis zum Herbst erscheinen weiße, im Verblühen rosa getönte Blüten mit einem intensiven Duft. Sie entspringen in den Blattachseln und sind zu mehreren in Büscheln vereint. Im Handel werden vorwiegend gefüllt blühende Sorten wie ,Grand Duke of Tuscany‘ oder ,Maid of Orleans‘ angeboten. Im Gegensatz zu den beiden vorgenannten Jasmin-Arten benötigt der Arabische Jasmin im Winter Temperaturen von zwölf bis 15 Grad Celsius. Entsprechend der höheren Überwinterungstemperaturen kann der Wurzelballen auch mehr Feuchtigkeit erhalten. Dennoch darf keine Staunässe auftreten.

Schließlich soll noch der Primelblütige Jasmin (Jasminum mesnyi) erwähnt werden, der aus Westchina stammt. Es handelt sich um eine etwa zwei Meter hoch werdende Kletterpflanze mit vierkantigen Trieben und kleinen länglich-eiförmigen, immergrünen Blättern. Ab Februar oder März erscheinen die hell- bis dottergelben Blüten in großer Zahl. Die Kälteresistenz ist höher als bei den vorgenannten Jasmin-Arten, weshalb er in milden Gegenden auch im Freien aushält. Als Kübelpflanze eignet er sich ideal für den kühlen Wintergarten, wo er schon im Januar seine Blütenpracht entfaltet. Sobald der Frühling naht, kann man die Pflanze schon wieder ins Freie stellen. Alle Jasminarten im Topf oder Kübel erhalten vom Frühjahr bis zum September wöchentlich eine Gabe Volldünger.

Ist der Topf zu klein geworden, sollte man verpflanzen. Dazu verwendet man eine sandig-lehmige Mischung, auch handelübliche Einheitserde eignet sich, wenn man sie mit etwas Sand und Lehm anreichert. Der Rückschnitt erfolgt bei allen Arten im Spätwinter und Frühjahr blühenden Arten nach der Blüte, bei den im Sommer blühenden Arten im März.

Die einzige Jasminart unserer Gärten ist der Winterjasmin (Jasminum nudiflorum), nicht mit dem Falschen Jasmin (Philadelphus-Hybr.) zu verwechseln, der auch als Pfeifenstrauch bezeichnet wird. Beim Winterjasmin öffnen sich an milden Wintertagen schon im Dezember die ersten goldgelben Blüten, die bis Ende März in unablässiger Folge erscheinen. Diese Pflanze stammt aus dem Norden Chinas und gehört zu den wertvollsten, im Winter blühenden Kletterpflanzen überhaupt. Große Kälte schadet ihm ebenso wenig wie die intensive Wintersonne. An Spalieren gezogen, kann er drei Meter hoch werden und in wenigen Jahren mit seinen rutenförmigen Zweigen große Flächen bedecken. Die Blätter erscheinen gegenständig, sind länglich-eiförmig und drei bis vier Zentimeter lang. Die goldgelben Blüten können einen Durchmesser von drei Zentimetern erreichen und erscheinen an den vorjährigen Trieben. Er gedeiht am besten in nährstoffreichen, durchlässigen Gartenböden, findet aber auch in leichten Sandböden ausreichend Kraft, um seinen reichen Flor zu entfalten. Bevorzugt werden geschützte Plätze wie Mauerecken oder Hauswände in Süd- oder Südwestlage, auch für Spaliere, Pforten oder Zäune ist er geeignet. Da er nicht klettern muss, kann man ihn auch für Böschungen oder Terrassenmauern verwenden.

Als gelungene Kombination mit dem Winterjasmin haben sich als Kletternachbarn Efeu (Hedera) oder das Immergrüne Geißblatt (Lonicera henryi) bewährt. Auch andere Gehölze bieten sich als Nachbarn an. So kann der Winterjasmin zusammen mit dem Feuerdorn (Pyracantha coccinea) zauberhafte Wirkungen hervorrufen. Die orangeroten Früchte des Feuerdorns sind meist im Winter noch an der Pflanze vorhanden, wenn sich die goldgelben Blüten des Winterjasmins öffnen.

Die Vermehrung kann leicht durch Ableger erfolgen. Herabhängende Triebe bilden von selbst Wurzeln, wo sie mit der Erde in Berührung kommen. Bereits nach wenigen Wochen lassen sie sich von der Mutterpflanze trennen. Wird der Winterjasmin zu üppig, kann man ihn nach der Blüte radikal zurückschneiden. er treibt wieder willig aus und überrascht im folgenden Winter mit üppiger Blüte.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben