Zeitung Heute : Klassische Kombination

Der Tagesspiegel

Werner Martin hat einen Traum: „Tanglewood“ heißt das Schlagwort, mit dem die Brandenburgischen Sommerkonzerte und ihr Initiator in den nächsten Jahren „die fühlbaren Veränderungen in der Region Brandenburg positiv begleiten“ wollen. Die legendäre Sommerresidenz des Boston Symphony Orchestra ist die neue Zielvorgabe für das Festival, das seit zwölf Jahren in jedem Sommer Klassik erster Qualität in die Kirchen und Schlösser Brandenburgs bringt. Auf der Jahrespressekonferenz der Sommerkonzerte präsentierte Martin auch gleich das Orchester, das in der Mark dem Bostoner Vorbild nacheifern soll: das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO). Es wird schon in diesem Jahr den überwiegenden Teil der 24 Sommerkonzerte bestreiten, teils mit voller Besetzung, teils aber auch durch Kammerensembles aus dem Kreis der DSO-Musiker.

Das Zusammengehen von DSO und den Brandenburgischen Sommerkonzerten sei „ein gutes Beispiel für eine funktionierende Public-Private-Partnership, das die Flexibilität beider Seiten fördere“, freute sich auch der Orchesterdirektor des DSO, Thomas Schmidt-Ott.

Mit dem DSO werden die Brandenburgischen Sommerkonzerte in diesem Jahr zum ersten Mal die Grenze nach Polen überschreiten: Das Eröffnungskonzert am 15. Juni bestreitet das Orchester in der Kathedrale von Stettin, ein Sonderzug der Deutschen Bahn wird die Berliner Konzertbesucher in die einstige Hauptstadt Pommerns bringen. DSO-Chedirigent Kent Nagano wird das Abschlusskonzert am 11. September in der Berliner Philharmonie leiten, das dem Gedenken an die Opfer des Anschlags auf das World Trade Center gewidmet ist. Die Symbiose mit dem DSO hat für die Brandenburgischen Sommerkonzerte handfeste Vorteile: Weil die Künstler aus Berlin kommen und zu „kulanten und vernünftigen“ (Martin) finanziellen Bedingungen auftreten, entfallen für das Festival ein Großteil der Reise- und Unterbringungskosten der vergangenen Jahre. Neben organisatorischen Verschlankungen habe dies dazu geführt, dass der Festivaletat in diesem Jahr auf rund 600 000 Euro beschränkt werden konnte, erklärte Martin. Zudem können die Sommerkonzerte die nahezu 30 000 Namen umfassende Adressenkartei des DSO nutzen – der ohnehin schon gute Auslastungsgrad der Sommerkonzerte dürfte so in diesem Jahr noch weiter steigen. Neu im Festival-Programm sind in diesem Jahr fünf Konzerte in sonst nicht öffentlich zugänglichen brandenburgischen Schlössern, die in Zusammenarbeit mit Botschaften veranstaltet und von einem kulturell-gastronomischen Rahmenprogramm begleitet werden, bei dem sich das jeweilige Land vorstellt. Auch weiterhin halten die Sommerkonzerte, die sich allein aus Kartenerlösen und Sponsorengeldern finanzieren, an ihrem Prinzip fest, mit einem Teil der Erlöse denkmalpflegerische Maßnahmen im Raum Brandenburg zu fördern. Nachdem 2001 insgesamt 64 500 Mark für verschiedene Objekte bereitgestellt wurden, ist das Haupt-Benefizobjekt in diesem jahr der Einbau einer Heizung in der Pöppelmannkirche zu Lebusa. Jörg Königsdorf

Mehr Infos unter

www.brandenburgische-

sommerkonzerte.de

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