Zeitung Heute : Klassische Moderne

Der Tagesspiegel

Die Bayerische Immoblien AG aus München hat bereits letztes Jahr die Gebäude am Zoobogen gekauft, unter der Bedingung, dass sie zusätzlich auch das landeseigene Grundstück erwerben kann. Die Münchner wollen 300 Millionen Euro in die Innenmodernisierung der Gebäude investieren und das „Bikini-Haus“ an der Budapester Straße in seinen ursprünglichen Zustand versetzen - mit offenem zweiten Geschoss. Außerdem drängen die Investoren auf die Zuschüttung des Autotunnels an der Budapester Straße, was die Anrainer des Breitscheidplatzes schon seit langem fordern.

Das „Bikini-Haus“ wurde 1957 nach Plänen von Paul Schwebes und Hans Schoszberger gebaut. Die Architekten hatten das zweite Stockwerk offen gelassen, um einen Ausblick auf den angrenzenden Zoopark zu ermöglichen. Dadurch zerfiel das Gebäude in ein von Säulen getrenntes Oben und Unten und zeigte sich sozusagen bauchfrei. 1978 wurde das zweite Stockwerk geschlossen, weil man Raum für Galerien brauchte.

Für das 60 000 Quadratmeter große Grundstück am „Zoobogen“ suchte das Land Berlin schon seit zehn Jahren einen Käufer. Potentielle Investoren schreckte der Denkmalschutz ab, der eine modernisierte Nutzung des Gebäudekomplexes verteuert. Zu dem Ensemble gehören das „Bikini-Haus“ das Eckhaus am Hardenbergplatz und das angrenzende ehemalige Kugelkino, aus dem die Talkshow „Sabine Christiansen“ gesendet wird.

Der Verkehrswert des Grundstücks beträgt lediglich 52 Millionen Euro, da das Land Berlin bereits mit den früheren Betreibern einen Erbbauzins vereinbart hat, der weit unter der Hälfte des am Zoo üblichen Zinses liegt. Der Erbbaupachtvertrag läuft noch bis 2030. Ohne diese vom Land gewährte Vergünstigung würde der Verkehrswert weit höher liegen, laut Senatskanzlei bei 83 Millionen Euro.

Der Streit um den Verkauf des Grundstücks hatte sich am Verkaufspreis von 47 Millionen Euro entzündet, den die Finanzverwaltung von den Münchner Käufern verlangte. Die Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters und die drei Oppositionsfraktionen forderten einen höheren Verkaufspreis und die öffentliche Ausschreibung des Vorgangs. clk

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