Zeitung Heute : Kleiderzeit

Die Frühlingsmode für Damen setzt auf Weiblichkeit, Ausschnitte, betonte Taille und Minis – auch die Herrenmode sitzt knapper

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Die Tage werden wärmer, die Sonne lässt sich wieder öfter sehen – und die Lust auf die neue Frühjahrsmode steigt. In dieser Saison geht es sexy zu, schwarzweiß, schlicht-elegant, sinnlich, bunt, sachlich und auch ein bisschen retro. Die 80er aber gehören der Vergangenheit an, dafür sind die 60er und 70er Jahre zurück. Ein breites Kontrastprogramm also. Langeweile wird bei den neuen Schnitten, Formen, Stoffen und Farben jedenfalls nicht aufkommen. Da dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Ganz groß im Kommen ist in diesem Frühjahr das Kleid. Ob gewickelt aus Jersey oder mit Spaghettiträgern, als klassisches Etuikleid oder ärmelloses Shiftkleid à la Audrey Hepburn, in Hemdblusenform oder als Hippiekleid, wie es in den 70ern modern war, macht es dem Rock mächtig Konkurrenz. Trench-Details wie Bubikragen und Puffärmel verzaubern Mantelkleider in brave Schulmädchen-Outfits. Nur eins haben die so unterschiedlich designten Kleider gemeinsam: Sie müssen kniefrei sein – oder noch kürzer: Die modebewusste Frau liegt mit dem Minikleid der Sweet Sixties wieder voll im Trend. Auch die fantastisch großen Muster der Zeit sind zurück. Und mit ihnen die spezielle Mischung aus Hippie-Style und Glamour.

Allerdings: Die Zeit üppiger Dekorationen ist ebenso vorbei wie die nackter Bäuche und zerrissener Jeans. Die Mode ist klarer und erwachsener geworden. So ist zum Beispiel der Hosenbund wieder etwas nach oben gerutscht – ohne dass die Hose an Sexappeal verloren hat. Nur die Proportionen verschieben sich, eine neue Weiblichkeit wird in Szene gesetzt, mit dem Fokus auf Bein und Hüfte. Die Hosen werden schmaler, Röhre und Leggings haben sich etabliert. Und damit wird auch der Hosenanzug wieder tragbar: Zu extrem schmalen Bügelfaltenhosen werden hüftkurze Spencerjacken getragen. Doch auch die weite, lange Hose mit breitem Bündchen oder Gürtel spielt wieder eine Rolle. Sowie die Bermudas, die 2007 am besten aus Leinen oder Satin und in Asphaltgrau oder Navy gearbeitet sind. Selbst in ganz kurzen Variationen findet man sie in den neuen Kollektionen. Entweder sportiv-lässig, aus gewaschener Baumwolle, oder mit typischen Cargo-Elementen wie breiten Taschen. Außerdem sind Bermudas aus Jeans angesagt. Und keine Frage: Auch in Lang gehört Denim-Jeans nach wie vor in jeden Kleiderschrank. In schlichtem Blau und Schwarz ist sie in dieser Saison ein Muss, als Röhre, aber auch in weiteren Formen, mit umgeschlagenem Hosensaum, gestreift oder blumengemustert. Und: Wieder einmal passt Jeans perfekt zu den Farben der Saison.

Hell und leuchtend kommt die Mode 2007 daher. Sie wird in Ton in Ton kombiniert, oder setzt Kontraste zu dunklen Farben wie Navy oder Schwarz. Wichtigstes Thema ist Weiß. Elegant und lässig wirkt es mit Sand, Oliv und Schoko oder im Zusammenspiel mit Natur und Gold. Außerdem ist es als neutraler Kontrapunkt zu den wieder modernen, kalten Pastelltönen gefragt. Auch in der Kombination mit Blauschattierungen, Himmelblau, Lagune, Türkis und frischen Blumenfarben setzt Weiß entscheidende Akzente. Bei den Mustern widerum spielen Streifen eine Rolle, der Matrosenlook hat den Winter überlebt. Außerdem sind geometrische Minidesigns, Punkte oder kleine Blumen, und grafische Schablonenmotive in. Wer es romantisch mag, findet zarte Blumendrucke oder auch Stickereien auf Kleidern, Röcken und Blusen. Neu sind die großen, floralen oder grafischen Elemente, die beispielsweise auf Baby-Doll-Shirts mit hoher Taille gedruckt sind.

Neu sind in diesem Frühling auch die Materialien. Leicht, anmutig, elegant und ohne viel Schnörkel präsentieren sie selbstverständliche Eleganz, die keiner Übertreibung bedarf. Baumwolle, Sweatshirtstoff, verwaschenes Velours, feine Seide und feine Wolle geben die Richtung vor. Wunderschön auch die federleicht den Körper umwehenden Chiffons oder das die Figur umschmeichelnde Jersey. Extravaganter und weniger romantisch wirken Garnmischungen mit Metall, die einerseits zart und andererseits sehr grob und locker gestrickt sind. Stoffe und Leder werden in verwaschener Optik getragen. Eine belebte Oberfläche ist angesagt. Glatt und adrett kommt zu langweilig daher. Sportive Stoffe geben den modischen oder klassischen Schnitten den attraktiven Kick.

In abgewandelter Form hat das bekannte Layering, das Übereinanderschichten von Shirts, Kleidern, Hosen und Jacken, seinen Auftritt. Da zu viel Bauch und Haut jetzt out sind und offene Erotik nur noch in Form tiefer Ausschnitte in der Frühjahrsmode vorkommt, verschwinden nun auch die Tanktops und Trägershirts ganz brav unter den neuen Hemdblusen oder Jacken. Nur noch am Ausschnitt und am Saum werden sie sichtbar, auch weil die Blusen darüber länger getragen werden. Doch es geht auch anders herum: Das Trägershirt wird über das hauchzarte Shirt gezogen oder das Wickeljäckchen über die längere Tunika.

Noch eine Veränderung ist angesagt: Die langen Hemdblusen werden, wie auch sackförmige Pullis, figurbetonter über der Leggings getragen als im vergangenen Winter: Breite Gürtel oder Schärpen bändigen den weiten Look und geben ihm Kontur.

Auch lange, eher weit geschnittene Jacken werden jetzt mit Gürtel zusammengehalten. Dabei gilt generell: Outdoor bleibt lässig und leicht und wird in Baumwoll- oder Leinenqualitäten getragen. Wie bei den langen Oberteilen ist bei Jacken viel Volumen gefragt, der Parka ist weiter in – und die Zeit kurzer, knapper Jacken erst einmal vorbei.

Neben der femininen, weichen Richtung hat der Frühling auch eine eher maskuline Mode zu bieten, die aber vor allem in der jungen Avantgarde eine Rolle spielt. Sakkos und Hemden sind gefragt, die mindestens eine Nummer zu groß sind und aussehen, als hätte man sie vom Freund geliehen. Westen, Pullunder, Krawatten, Schal und Tücher machen das Outfit komplett.

In der Herrenmode wiederum ist schicke Alltagsmode die Devise, die möglichst natürlich daher kommen soll. Wie in der Damenmode ist Weiß die dominante Farbe der Saison, kombiniert mit frischem Light Blue, kühlen Grüntönen und Flieder. Selbst Sakkos und Hosen leuchten in leichten Blau- und Grüntönen. Außerdem werden Farben neu entdeckt, die lange kein Thema waren: Kiesel, Graphit, Khaki oder Tabak bestimmen den Farbkanon. Bei den Mustern ist Understatement angesagt. Minimuster und Streifen, Hahnentritts und klassische Glenchecks treten zurückhaltend auf.

Neu sind auch die verwendeten Materialien. Neben feiner und grober Baumwolle sind nun Leinen und Hanf an der Reihe, Mischungen mit Wolle und Seide – und sehr modisch: Wolle mit Leinen. Bei Jacken ist der Übergang vom Sakko zur Outdoorjacke fließend. Jacken im Uniformstyle zeigen sich verliebt ins Detail. Als sportliche Hosen liegen Cargos im Trend, die schmaler geschnitten sind und ruhiger wirken. Wer es avantgardistisch mag, der entscheidet sich für schmale Hosen und Anzüge und liegt mit der Röhrenjeans richtig, zu der eine verkürzte Jacke passt, weißes Hemd und schmale Krawatte.

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