Zeitung Heute : Kleidung für Wetterfeste

Die Berliner Designer Michael Sontag, Mongrels in Common und Liebig zeigen überzeugende Kollektionen, Hugo Boss glänzt mit Hologrammfolie.

Bettina Homann[Jan Schröder]
Lichtgestalt.
Lichtgestalt.Foto: dpa

Langsam, fast zaghaft, laufen die Models über den grau gepolsterten Laufsteg. Das lenkt die Blicke der Zuschauer auf ihre Füße, und dort gibt es auch richtig was zu sehen: die erste Schuhkollektion, die Michael Sontag für Görtz entworfen hat.

Zarte Pumps mit leicht geschwungenen Absätzen, um die Knöchel mit Lederbändern geschlossen in Weiß und Beige und schwarzem Lack, und flache, sehr spitze Slipper. Die Schuhe erheben nicht nur die einzelnen Outfits zum Komplett-Look, die Kooperation mit dem Hamburger Traditionshaus verschaffte dem Berliner Designer offenbar auch das finanzielle Polster, das den Kopf frei macht für kreative Weiterentwicklung.

Die konnte man am Donnerstagabend auf dem Laufsteg sehen. Neben den zu Sontag-Klassikern avancierten fließenden Seidenkleidern in zarten Farben – Hellgrün, Hellblau, Rost – gab es Röcke und Kleider aus steifen Baumwollstoffen zu sehen, raffiniert in Falten gelegt wie Origami-Kunstwerke. Dazu schmale Hosen, gelungen kombiniert mit voluminösen Oberteilen.

Ganz überraschend waren die Streifen – weiße Streifen auf einer schlichten Kombination aus schmaler schwarzer Hose und langer Bluse. Weiter ging es mit einem rot-gelb gestreiften Kurzmantel und schließlich – Highlight von Michael Sontags Ausflug in die Welt der Muster – einem schwarz-weißen Kleid, einer tragbaren textilen Skulptur, die an die wunderschönen Vasen von Hedwig Bollhagen denken ließ.

Bei Hugo Boss drehte sich zunächst einmal alles um das Drumherum. Immerhin hatte das umsatzstarke schwäbische Unternehmen mitten im Sommer zur Modenschau in ein Eisstadion eingeladen. Würden die Models Schlittschuh laufen, eine Partie Eishockey spielen, in flatternden Sommerkleidern und scharf geschnittenen Anzügen? Ach, wie hatte man darauf gehofft! Deutschlands größter Modefirma ist alles zuzutrauen, die würden an diesem schwülen Tag bestimmt für eine Abkühlung sorgen.

Das taten sie dann auch im Erika-Hess-Stadion. Allerdings nicht mit einer Eisperformance, sondern mit den Entwürfen, die kaum sommerliche Gefühle aufkommen ließen.

In den weißen, akkurat geschnittenen Kleidern mit nur leicht ausgestellten Röcken sahen die Models aus wie Eisprinzessinnen. Die Taschen, die sie trugen, sahen aus wie Eiskristalle. Sie waren aus einem mit glänzender Hologrammfolie beschichteten Stoff, den der Chefdesigner Eyan Allen benutzte, um seiner zwar zackigen, aber eher schlichten Kollektion Glanz zu verleihen.

An Hosen brachte er die Folie seitlich als Spoilerstreifen an, verzierte die Front enger Etuikleider damit und verarbeitete sie zu ganzen Oberteilen. Passend zur Sechziger-Jahre-Architektur des Stadions fühlte man sich bald in das Innere einer Raumschiffattrappe zu den Dreharbeiten eines Sience-Fiction-Films gebeamt.

Das Risiko, sich auf einen besonderen Ort einzulassen, gingen auch die beiden Berliner Labels Mongrels in Common und Liebig ganz bewusst ein. Auf einer Dachterrasse wollten sie ihre Entwürfe über den Dächern von Mitte vorführen. Die Absicht ist grundsätzlich zu loben; an einem warmen Sommerabend Mode unter freiem Himmel zu sehen, kann ein beeindruckendes Erlebnis sein. Aber es besteht eben auch immer das Risiko, dass das Wetter nicht mitspielt.

Und das tat es partout nicht. Wegen einer Unwetterwarnung musste die Dachterrasse gesperrt werden, letztlich standen die Models am Rande des Innenhofes im strömenden Regen auf Podesten. Sie konnten einem leid tun, aber auch um die Kollektionen war es schade, denn sie hätten eine stimmungsvollere Atmosphäre verdient gehabt. Liebig präsentierte Kleider mit hinreißenden Mustern, während Mongrels in Common mit einer stimmigen Kollektion einmal mehr überzeugen konnten. Klassische englische Eleganz wurde hier sehr gekonnt mit Elementen aus dem amerikanischen Baseball verbunden.

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