Zeitung Heute : Klein macht fein

Stefan Jacobs

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland steigt – die der Arbeitslosen aber auch. Wie kam es dazu?

Es klingt paradox: Kaum ist die Zahl der arbeitslos Gemeldeten über fünf Millionen gestiegen, meldet das Statistische Bundesamt eine wachsende Erwerbstätigkeit: Laut einer am Montag veröffentlichten Berechnung arbeiteten im vierten Quartal des vergangenen Jahres 38,9 Millionen Menschen in Deutschland; 261000 mehr als vor einem Jahr. Schon in den Quartalen zuvor war die Zahl der Arbeitenden stetig gestiegen.

Diese Entwicklung beruht hauptsächlich darauf, dass sich der Arbeitsmarkt verändert hat. So hat die Bundesagentur für Arbeit im Dezember 2004 etwa 223000 Ich-AGs gefördert – 136000 mehr als ein Jahr zuvor. Hinzu kamen 75600 Ein-Euro-Jobber, die es im Quartal zuvor noch gar nicht gab. Und fast 4,9 Millionen Menschen verdienten ihr Geld mit einem geringfügig bezahlten Minijob (400 Euro); ein Plus von 350000 Menschen. Das Statistische Bundesamt hat nach eigenen Angaben nur die jeweilige Hauptbeschäftigung der Menschen gezählt, so dass etwa Vollzeitarbeitende mit zusätzlichem Minijob nicht doppelt erfasst worden seien.

Komplett wird das Bild erst bei Betrachtung der voll sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze: Im November 2004 arbeiteten 26,75 Millionen Menschen in solchen klassischen Beschäftigungsverhältnissen. Das Minus von 337000 gegenüber dem Vorjahresmonat zeigt, dass die Probleme nicht kleiner geworden sind. Die Bundesregierung erklärte am Montag, sie rechne für Februar mit einer nochmals gestiegenen Arbeitslosenzahl.

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