Zeitung Heute : Klein und fein

Businessjets haben gegenüber Linienfliegern viele Vorteile. Man kann sie chartern – oder im Rahmen eines Teilhabermodells nutzen

Rainer W. During

Immer längere Wartezeiten bei den Kontrollen, Beschränkungen des Handgepäcks und Drohungen gegen Verkehrsflugzeuge haben eine in der Öffentlichkeit bisher wenig beachtete Luftfahrt-Branche ins Rampenlicht gerückt. Während der jüngste Terroralarm an britischen Flughäfen den Linienflugverkehr ins Chaos stürzte, düsten eilige Manager in Geschäftsreiseflugzeugen problemlos durch Europa. Längst sind die Businessjets kein Privileg von Multimillionären und Konzernspitzen mehr.

Niemand muss sich einen teuren Jet kaufen, um die Vorzüge des individuellen Reisens zu genießen. Firmen wie Netjets betreiben riesige Flotten, an denen Kunden Flugstundenkontingente (ab 124 000 Euro für 25 Stunden) oder Teileigentum erwerben können – von 400 000 US-Dollar plus laufende Kosten für den sechzehnten Teil einer siebensitzigen Hawker 400XP bis zehn Millionen Dollar für die Hälfte einer Gulfstream 550 mit interkontinentaler Reichweite.

Business-Airlines wie die Windrose Air sind auf die individuelle Vercharterung der kleinen Jets spezialisiert, die ihren großen Brüdern im Hinblick auf Komfort, Leistungsfähigkeit und Sicherheit in keiner Weise nachstehen. Die Berliner Firma mit Sitz am Flughafen Tempelhof zählt 65 Mitarbeiter. Sie betreibt acht Maschinen mit fünf bis 13 Plätzen und ist mit Außenstellen in Leipzig, Poznan und demnächst auch Warschau das nach eigenen Angaben größte Unternehmen seiner Art in Osteuropa.

„Unser internationales Geschäft hat sich in den letzten zwei Jahren rasant entwickelt“, sagt Geschäftsführer Thomas Stillmann. Auch in Berlin steigt die Nachfrage beständig. Bis Ende Juni hatte Windrose bereits den Umsatz des gesamten Vorjahres von rund 15 Millionen Euro erwirtschaftet. Immer mehr Kunden auch aus mittelständischen Unternehmen nutzen den Zeitvorteil, so der Windrose-Chef. Einen stark expandierenden Markt stellt die Medienbranche dar.

Weil kleinere Zielorte im Liniendienst meist nur per Umsteigeverbindung erreichbar sind, machen selbst kurze Meetings oft eine Hotelübernachtung erforderlich. Den Businessfliegern stehen in Europa 1061 Airports offen, heißt es bei NetJets. Allein in Deutschland sind es 135. Auswärtstermine lassen sich so häufig in wenigen Stunden bewältigen.

Doch selbst auf den Rennstrecken der Airlines bewährt sich der Geschäftsreisejet, wenn mehrere Mitarbeiter reisen müssen. Der Flug zum zweistündigen Mittagstermin in Kopenhagen kostet in der Business Class der SAS für fünf Passagiere 3861 Euro, rechnet Stillmann vor. Zeit vom Start bis zur Landung in Tegel rund zehneinhalb Stunden. Der CitationJet braucht die Hälfte der Zeit und ist mit 3600 Euro auch noch billiger.

Businessjets kennen keine Wartezeiten und sind nicht auf die großen und meist überlasteten Verkehrsflughäfen angewiesen. Die Abflugzeit bestimmen allein die Passagiere. Einen wahren Boom verzeichneten die Geschäftsflieger zur Fußballweltmeisterschaft. Allein NetJets hat während der Spiele rund 260 Sonderflüge von und nach Tempelhof organisiert, eine Steigerung um 270 Prozent gegenüber dem Volumen des gesamten Vorjahres. Am Endspieltag parkten mehrere hundert Minijets auf dem Berliner Zentralflughafen. Dessen drohende Schließung ist aus Sicht der Wirtschaft eine Katastrophe. Denn in Kombination mit den Businessjets bietet der City-Airport all jenen, für die Zeit Geld ist, eine unschlagbare Alternative.

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