Zeitung Heute : Kleine Fluchten

Wer der Fußball-WM entfliehen will, hat in Steglitz gute Karten. Nur wenige Meter vom Trubel entfernt versteckt sich manch schöne Oase

Thomas Loy

Wer der Fußball-WM entfliehen will, hat in Steglitz gute Karten. Nur wenige Meter vom Trubel entfernt versteckt sich manch schöne Oase

Endlich ist der Sommer da, die Sonne strahlt und ebenso die Fußballfans – die WM ist voll in Gange. Doch nicht für jedermann ist das ein Grund zur Freude. Manch einer möchte dem Trubel zumindest für ein paar Stunden gern auch mal entfliehen. Und dazu gibt es gerade in Steglitz jede Menge Möglichkeiten.

Das Fichtenberg-Villenviertel am Wasserturm zum Beispiel ist eine WM-freie Ruhezone in Zentrumsnähe des Bezirks. Hier entspringt die Bäke, früher ein größerer Bach, der mehrere Mühlen antrieb. Heute verläuft die Bäke als unterirdischer Rinnsal bis zum Bäkepark. Von dort sind es nur noch ein paar Meter bis zum Teltowkanal, der gerade sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Die Stadt hat den Fichtenberg zwar überwuchert, aber nicht kleingekriegt. Die Aussichten sind immer noch weitreichend. Auf dem Wasserturm betreibt die FU eine Wetterstation.

Nicht weit entfernt, aber etwas versteckt, Am Fichtenberg 10, liegt der hügelige Ruth-Andreas-Friedrich-Park mit Liegewiese und Spielplatz.

Vielfältiger und ebenfalls fußballfrei präsentiert sich die Domäne Dahlem. Im Biergarten, der hier „Familienausschank“ heißt, lässt es sich unbehelligt vom Weltgeschehen speisen. Darüber hinaus gibt es vieles mehr: Die aktuelle Ausstellung befasst sich zum Beispiel mit „Landwirtschaft in der Malerei der DDR“, und es gibt „Mitmachtage in der Schmiede“.

Garantiert WM-frei: Der Parkfriedhof Lichterfelde an der Goerzallee. Hier liegen viele Flieger begraben, etwa Gustav Lilienthal, der Bruder von Otto Lilienthal; auch Fritz Achterberg, der Mitbegründer der Deutschen Lufthansa. Der Botanische Garten hat sich der WM nicht ganz enthalten können. Der Garten ist einer der „365 Orte im Land der Ideen“, einer Werbekampagne für Fußball-Deutschland. Mit einem Gewinnspiel zu 32 Pflanzen aus den Herkunftsländern der WM-Teilnehmer ist die Sache aber schon ausgestanden. Das Restaurant Park-Cafe in der Bäkestraße 15 am Lilienthal-Park verzichtet auf WM-Übertragungen gänzlich, vornehmlich mit Rücksicht auf das überwiegend ältere Publikum.

In der Schwartzschen Villa an der Grunewaldstraße läuft nur drinnen ein Fernseher. Im Garten kann man sich entspannen und torlos in den Nachmittag hineindösen – schließlich wurden zu diesem Zweck (und nur zu diesem) Biergärten in Bayern einst erfunden.

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